Oberstdorf › Dorf › Tradition
Interview mit den Organisatoren des Oberstdorfer Advents
Mit einer erfrischenden Mischung aus Volksmusik, Mundart und Klassik ist der noch junge Veranstaltungsreigen längst zum Lichtpunkt in der stillen Zeit geworden.
Wenn es reihum freiher dünkled,
wenn kui Scheane mea am Himmel fünkled,
wem 'ba d'Hond voar Öüge numma gsiecht,
no isch 'ba froah am kleinschde Liecht,
des is zeiget, dass es ündr viela Lidd
öü hi und da no Mensche gidd …
von Martin Hehl
Wann ist es besinnlicher, schöner und heimeliger als in der Vorweihnachtszeit? Sich bei Volksmusik und Mundart zu entspannen, die echte Kultur der Heimat zu genießen. Gemeinsam einen Becher Glühwein oder Punsch zu trinken,
Kerzen anzuzünden, „an Huigarde hong, dr Museg lose“. Heiteres und Tiefgründiges in Oberstdorfer Mundart, echte Volksmusik und Klassik: all dies hat der „Oberstdorfer Advent“ zu bieten.
Wir sprachen mit Gretel Kissner, Martin Hehl und Helga Große Wichtrup, die gemeinsam mit Ursula Sabel vor einigen Jahren mit viel Energie diesen inzwischen hochgelobten und beliebten Veranstaltungsreigen ins Leben gerufen haben.
Was bedeutet in einer Zeit, wo es Lebkuchen schon im Spätsommer zu kaufen gibt, der Advent überhaupt noch?
Gretel Kissner: Die Adventszeit hat eine lange christliche Tradition, insofern haben wir ja nicht das Rad neu erfunden. Eigentlich sollte diese Zeit aber ruhig und besinnlich sein, an das Erscheinen von Jesus Christus erinnern, leider ist heutzutage das Gegenteil der Fall. Hektik und Hast bestimmen die Vorbereitungen für das
Weihnachtsfest. Dem wollten wir etwas entgegensetzen und den Menschen auf der Suche nach ein bisschen Entspannung ein Angebot machen.
Martin Hehl: In unseren Plänen war nie an ein „E“-vent gedacht, sondern immer an den „Ad“vent, bei dem das gemeinsame Fest im Vordergrund stehen sollte. Denn feiern kann man nur miteinander.
Worin unterscheidet sich der „Oberstdorfer Advent“ von den vielen anderen Märkten in der Region?
Gretel Kissner: Wir wollten keinen Weihnachtsmarkt, wo es überall glitzert und flimmert in Grün und Rot. Wir wollten etwas, das sich abhebt von all dem, was überall stattfinden kann und nichts Originäres hat. Dazu müssen wir vielleicht vorausschicken, dass Oberstdorf bis dahin den Christkindles-Markt am Marktplatz hatte, der jedoch ein eher kümmerliches Dasein frönte. Tja, und dann kam Hindelang mit seinem großen Christkindlmarkt. Da stand für uns fest: entweder wir machen gar nichts mehr oder etwas ganz anderes, denn den Event dort hätten wir ohnehin nicht toppen können und wollen.
Gab es Fürsprecher für diese Art, in Oberstdorf den Advent zu feiern?
Gretel Kissner: Zunächst hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Wir waren wirklich nur ein kleiner Arbeitskreis, der mit viel Idealismus ans Werk gegangen ist und sich erst mit einem schon fertigen Konzept präsentierte. Der damalige Bürgermeister Thomas Müller hat uns allerdings sehr unterstützt, damit die Idee auch
wirklich in die Tat umgesetzt werden konnte. Auch die OTG hat uns mit Räumlichkeiten und Technik von Anfang an zur Seite gestanden.
Wie sah das Konzept aus?
Helga Große Wichtrup: Klar war für uns von Beginn an, dass wir uns unserer echten und kraftvollen Kultur bedienen wollen, die unsere Heimat so eindrücklich prägt. Inhaltlich war somit der Rahmen durch Volksmusik und Mundart schon abgesteckt. Außerdem wollten wir der Jugend ein Forum bieten. Die Klassik ist dann hinzu gekommen, weil wir der traditionellen Volksmusikveranstaltung „S'wiehnächded“ in der katholischen Pfarrkirche nicht durch
ein ähnliches Programm am gleichen Wochenende Publikum wegnehmen wollten.
Martin Hehl: Heimelig und besinnlich sollte es sein, kein Merry-X-Mas-Event, sondern gemeinsam zu feiern, war uns wichtig und statt irgendwelchen Firlefanz zu verkaufen, wollten wir einen klei- nen, aber feinen Fierantenmarkt, auf dem vor allem Einheimische ihre Waren anbieten können, die auch tatsächlich etwas mit dem
Advent zu tun haben. Außerdem sind unsere Veranstaltungen allesamt kostenlos. Als „Gage“ für unsere großen und kleinen Künstler darf das zufriedene Publikum am Ausgang aber gern eine Spende geben.
Helga Große Wichtrup: Alles in allem soll unser Programm klein und erlesen sein. Mit einem XXL-Format allerdings werben wir doch: Unser Adventskranz vor dem Oberstdorf-Haus hat einen Durchmesser von stattlichen 7,5 Meter. Das Fichtendas kommt frisch aus dem Gemeindewald und wird von unseren Bauhofmitarbeitern zu diesem enormen Kranz gebunden.
Gibt es immer wiederkehrende Programminhalte?
Helga Große Wichtrup: Eigentlich hat unser Advent von Beginn an das immer gleiche Muster. Das ist inzwischen so gewachsen, dass wir davon nicht abrücken wollen. Jeden Samstag im Advent versammeln sich viele Menschen gegen 17 Uhr vor dem großen Adventskranz. Zunächst zünden Pfarrer Peter Guggenberger von der katholischen Kirche und Pfarrer Markus Wiesinger von der evangelischen Kirche die Kerze an und erläutern die religiöse Bedeutung des Advents als die Zeit, in der Christus das Licht in die Welt gebracht hat. Musik von Alphornbläsern, Jodlern oder
Trachtengesang begleitet das Zeremoniell und es werden gemeinsam Lieder gesungen. Anschließend folgt das einstündige Programm im Oberstdorf Haus. Danach kann man noch gemütlich über den kleinen Markt bummeln, eine Bratwurst essen oder Glühwein trinken. Nachher geht man heim und ist in einer gemütlichen Stimmung. Wir haben die Termine bewusst so früh gelegt, damit auch die Kinder dabei sein können.
Ein Erfolgskonzept?
Gretel Kissner: Am Anfang haben wir wirklich nicht gewusst, ob überhaupt jemand kommt zu unserem Advent. Doch die Veranstaltungen waren von Beginn an immer voll. Die Leute sind wirklich begeistert, kommen nicht nur an einem Samstag, sondern freuen sich schon aufs nächste Wochenende mit dem „Oberstdorfer Advent“.
Helga Große Wichtrup: Nicht nur Einheimische, sondern auch sehr viele Gäste wissen unseren „Oberstdorfer Advent“ inzwischen sehr zu schätzen. Weil in den vergangenen Jahren der Kleine Kursaal aus allen Nähten zu platzen drohte, ziehen wir in diesem Jahr in den Großen Kursaal um. Und noch etwas ist neu in diesem Jahr: Wir sind zwar stolz auf unsere Samstags-Tradition, können die aber heuer nicht ganz durchhalten. Denn weil unsere zweite
Veranstaltung auf den 6. Dezember fiele, treten wir vor den Klausen ins zweite Glied zurück und feiern nun am Sonntag, 7. Dezember. Und auch die „Riebige Schtünd“ muss in diesem Jahr am 21. Dezember und damit an einem Sonntag stattfinden.








