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Oberstdorf › Natur › Umwelt
Verdichtung des Bodens am Fellhorn
Das Fellhorn besteht aus Flysch (Schichten aus schiefrigem, tonigem und mergeligem Material). Kennzeichnend für die Flyschberge sind ihre sanften Formen, ohne schroffe Kanten oder hervorstehende Felsblöcke. Solche Gebirgsformen bieten gute Voraussetzungen für die Nutzung durch den Menschen – von der Alpweide bis zum Sommer- und Wintertourismus.
Die Alpen gehören erdgeschichtlich zu den jungen Gebirgen
Das Fellhorn besteht aus Flysch (Schichten aus schiefrigem, tonigem und mergeligem Material). Kennzeichnend für die Flyschberge sind ihre sanften Formen, ohne schroffe Kanten oder hervorstehende Felsblöcke. Solche Gebirgsformen bieten gute Voraussetzungen für die Nutzung durch den Menschen – von der Alpweide bis zum Sommer- und Wintertourismus.
Dieser Untergrund hat Vor- und Nachteile.
Durch die Tonanteile entstehen nährstoffreiche Böden, die Wasser gut aufnehmen können. Dies begünstigt den Pflanzenwuchs. Andererseits sind diese Standorte dadurch aber auch stark rutschgefährdet und instabil. In flacheren Bereichen wo sich das Wasser über undurchlässigen Tonmergelschichten staute, entstanden Moorgebiete, die wegen ihrer Artenzusammensetzung und Seltenheit sogar von nationaler Bedeutung für den Naturschutz sind.
Verdichtung des Bodens durch Wanderer
Der hohe Anteil an Tonmineralien führt rasch zur Verdichtung durch die Tritte von Wanderern und Weidevieh. Dazu muß man wissen, dass vor allem beim Wandern bergab der Druck auf den Boden bis zu vierzehnmal größer ist als beim Aufstieg.
Als Folge der Verdichtung kann dann das Wasser schlechter in den Untergrund abgeleitet werden, der Boden wird schmierig, und es fließt das Wasser vermehrt an der Oberfläche ab.
Problem:
Aus jeder kleinen Bodenwunde, zum Beispiel wenn Wanderer abkürzen, oder durch den Weide- und Skibetrieb, wird durch das Regenwasser das feinkörnige Material der obersten Bodenschicht abgespült. Nur grobe Steine bleiben zurück, zwischen denen die Pflanzen nun ungünstige Wachstumsbedingungen vorfinden. Kann sich das Wasser in Geländefurchen und Mulden sammeln, bilden sich kleine rinnen. Rasch entstehen daraus tiefe Gräben, die vermieden werden könnten, wenn alle Wanderer auf den Wegen bleiben würden.
Auf der Grundlage eines landschaftsökologischen Gutachtens wurde für das Fellhorn entsprechend der Empfindlichkeit, der Geländebeschaffenheit und der Vegetation ein differenziertes Konzept für die Sommer- und Winternutzung erarbeitet. Darauf aufbauend wurden konkrete Maßnahmen geplant und schrittweise umgesetzt.
Maßnahmen im Sommer:
Noch vor wenigen Jahren waren über zehn Meter breite Wegabschnitte oder „braune Furchen“ am Fellhorn keine Seltenheit. Das kam so:
Viele Wanderer mit leichtem Schuhwerk wichen von den befestigten, steinigen Wegen auf die weicheren Wiesenflächen aus. Dort wurden die naturnahen Pflanzengemeinschaften zerstört und es entstand zunächst ein Trittrasen aus kurzstieligen und belastbaren Gräsern und Kräutern. Aber bald waren diese Flächen der Belastung nicht mehr gewachsen. Es entstanden immer größere Bodenwunden. Der Regen wusch den feinen Oberboden ab und es entstand eine Rinne. Der Wanderer konnte in der Rinne und dem unebenen Gelände nicht mehr gehen. Er ging wieder ein Stück weiter am Rand in die Wiese und es entstand ein neuer Nebenweg ... aus dem wieder eine Rinne wurde und wieder ein neuer Trampelpfad ...
Diesen Teufelskreis hat die Fellhornbahn gemeinsam mit der Universität München und dem Umwelt-Beirat des Deutschen Skiverbandes durchbrochen. Es wurden die Besucher auf allen Wegen gezählt, verschiedene Absperrungen getestet und ein umfangreiches Sanierungsprogramm begonnen.
Allerdings ist die Begrünung von offenen Bodenstellen im Gebirge eine schwierige Aufgabe. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
- In den Hochlagen ist die Zeit für das Pflanzenwachstum sehr kurz und es herrschen raue
klimatische Bedingungen. - Für die Hochlagen gibt es nur in ganz kleinen Mengen Saatgut, das der natürlichen Artenzusammen- setzung nahekommt. Die meisten der angebotene Saatgutmischungen sind eher für tiefere Lagen geeignet und können Bodenwunden meist nur für kurze Zeit schließen.
- Es muß sichergestellt sein, dass sich diese Flächen in Ruhe – ohne Störungen und Belastungen -
entwickeln können.
Um trotz dieser Schwierigkeiten eine rasche Begrünung und Wiederbesiedelung mit den ursprünglichen Pflanzengemeinschaften zu erhalten, geht die Fellhornbahn einen besonderen Weg:
Zuerst werden alle noch verbliebenen Pflanzenreste und Grassoden auf den Schadensflächen und am Rand sorgfältig abgehoben und gesichert. Dann können die tiefen Geländerinnen aufgefüllt und auf der ganzen Fläche wieder eine geschlossene Bodenschicht aufgebracht werden.
Da bei den starken Regenfällen im Sommer das Saatgut leicht abgeschwemmt wird, werden zunächst die gesicherten Grassoden mosaikartig auf der ganzen Fläche verteilt und dann wieder eingepflanzt. Der Zwischenraum wird mit Heu aus der Umgebung abgedeckt, das die Samen der einheimischen Arten enthält und den Boden vor starkem Regen schützt.
Um möglichst rasch eine geschlossene Pflanzendecke zu erhalten, wird handelsübliches Saatgut nachgesät. Abschließend werden die Flächen durch Zäune geschützt.
Alle Arbeiten müssen von Hand erfolgen und sind daher sehr teuer.
Für den Rückbau der Trampelpfade, die Wiederbegrünung von Schadstellen und die Neuanlage von 13 Kilometern Wanderwegen um den Fellhorngipfel musste die Bahn rund eine halbe Million DM aufwenden.
Maßnahmen im Winter
Nicht nur im Sommer sind ein umweltgerechtes Verhalten der Touristen und ein intensives Engagement der Bergbahn erforderlich, sondern auch im Winter ist ein Miteinander zum Schutz dieses einmaligen Lebensraumes notwendig. Die Fellhornbahn trägt durch folgende Maßnahmen dazu bei, im Winter Belastungen zu vermeiden:
- Auszäunung von Biotopen und Latschengruppen vor Beginn des Winters, damit sie nicht durch Skifahrer und Pistenraupe beschädigt werden.
- Einsatz von landschaftsschonenden Spezialgeräten wie z.B. einer Seilwinde, um Steilhänge am Grat schonend zu präparieren.
- Schneehöhenabhängiger Betrieb
- Schulung des Personals im Sommer
- Absperrung und Information an Pistenrändern, an Grenzen zu Wildschutzgebieten oder zum Wald um Schäden oder Störungen durch Variantenskifahrer zu vermeiden.
- Verzicht auf „Schneeholen“ weit außerhalb der Pisten, um die Lebensräume der Wildtiere nicht zu beunruhigen.
- Errichtung einer Beschneiungsanlage auf der Hauptabfahrt. Dieser Bereich wird von Ökologen
regelmäßig untersucht. Sie bestätigen einen landschaftsverträglichen Einsatz der Anlagen zum Schutz der Vegetation.
Allerdings sind auch diese Maßnahmen – wie bei den Wanderern – nur dann wirksam, wenn Skifahrer und Snowboarder ihren Teil dazu beitragen, diese Schonbereiche zu beachten, auf Abfahrten in den Wald verzichten und die Tobel nicht als „Halfpipe“ missbrauchen.
Diese außergewöhnliche Kulturlandschaft mit ihrem Artenreichrum an Tieren und Pflanzen kann nur dann erhalten bleiben, wenn neben den Maßnahmen rund um Sommer- und Wintertourismus auch eine enge Zusammenarbeit mit den Alpbauern und den Fachleuten des Naturschutzes und der Landschaftspflege besteht.






