18. Dezember

Mit dem Zug nach Oberstdorf

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Der Bau der Bahnlinie nach Oberstdorf 1888 – es gibt wohl kein vergleichbares Ereignis, das die Entwicklung Oberstdorfs so nachhaltig beeinflusst hat.

Ganz Oberstdorf feierte die neue Bahnstrecke

Für geladene Gäste gab es ein ausgiebiges Dinner, aber auch die Kleinsten wurden zur Feier des Tages belohnt. So bekamen alle Oberstdorfer Schulkinder eine Wurst, ein Brot und – kaum zum Glauben – sogar ein Bier. Nun war sie also eröffnet, die Oberstdorfer Bahnlinie, und nahm ihren regelmäßigen Betrieb auf. Nicht nur die Gästezahlen entwickelten sich über die Jahre hinweg positiv, auch das Bahnhofsgebäude selber wurde immer größer und komfortabler. Bereits im Jahr 1909 gab es durchlaufende Wagen von München und Bruchsal nach Oberstdorf. Dies führte noch mehr Gäste in die Gemeinde. Der erste Weltkrieg und die Inflationsjahre sowie die Kohleknappheit gingen an Oberstdorf und seiner Bahnlinie nicht spurlos vorbei und hatten einen Rückgang der Kurgäste zur Folge. Ab dem Sommerfahrplan 1986 galt der Oberstdorfer Bahnhof als „Ferienzielbahnhof“, hier wurden Kurgäste am Bahnhof direkt in Empfang genommen und eine Quartiervermittlung getätigt. Wenn auch heutzutage die Eisenbahn aufgrund des Straßenverkehrs nicht mehr den Stellenwert besitzt wie früher, sollte eines nicht vergessen werden: Die Eisenbahn hat in den vergangenen 100 Jahren einen bedeutenden Teil zum Aufbau von Handel, Industrie und Wirtschaft im Oberallgäu beigetragen. Und ebenso zur nachhaltig erfolgreichen Entwicklung Oberstdorfs hin zum Spitzenferienort.

Quelle: Verschönerungsverein Oberstdorf,
Blätter zur Oberstdorfer Heimatgeschichte, Band 2, 1989
Bild oben: Bahnhofsgebäude Oberstdorf, 1900

Man muss mit der Zeit gehen

Bis in die Mitte des 17. Jhd. galt Oberstdorf als verträumtes, weltabgeschiedenes Dorf in den Bergen, das nur über unwegsame Straßen erreichbar war. Hierher kam man nur zu Fuß oder mit Fuhrwerken. Als Verbesserung galt 1853 der Anschluss an das Post-Omnibusnetz. Die dürftigen Verkehrsverhältnisse verbesserten sich erst richtig, als die Eisenbahn ins Allgäu kam, damals lediglich bis Immenstadt. Von dort bis nach Oberstdorf verkehrten nach wie vor Stellwagen und Postkutschen. 1873 erfolgte dann die Eröffnung der Vizinalbahn bis nach Sonthofen. Schritt für Schritt kam das Ziel Oberstdorf näher, der Wunsch nach einer Weiterführung der Bahn bis in die südlichste Gemeinde Deutschlands wurde immer größer. Ein Bevölkerungskreis mit Interessierten aus Altstädten, Fischen und Oberstdorf brachte das Projekt schließlich ins Rollen. Die Konzession für die Bahnstrecke wurde 1886 durch Prinzregent Luitpold genehmigt und einer Ingenieurfirma erteilt. Nach Bestätigung der Entwürfe durch die Direktion der Lokalbahn-Aktiengesellschaft in München wurden im Juli 1887 die ersten notwendigen Grundstücke erworben. Dem Beginn der Bauarbeiten am 1. September stand nichts mehr im Wege. Die Bauphase dauerte bis zum Sommer 1888 an. Am 29. Juli 1888 war es dann endlich soweit: Die Bahnstrecke nach Oberstdorf wurde eröffnet! Im Rahmen der festlichen Eröffnungsfeier reisten Gäste von nah und fern an.

In welchem Oberstdorfer Ortsteil gab es zu früheren Zeiten ein Schwefelbad?

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