Historische Berufe

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Der Gemsbartbinder aus Oberstdorf

Der einzige Oberstdorfer Gemsbartbinder ist Otto Schall. Der Gemsbart entsteht aus dem Haar eines Gemsbocks – am schönsten ist das Winterkleid. Je schwärzer das Haar des Bocks ist, um so wertvoller ist später der Bart.

Außerdem benötigt man einen guten „Reif’n“. Der Reif’n, das sind die Spitzen des Bartes. Je weißer der Reif’n, um so schöner der Bart.

Brauchen kann man alle Haare am Halsstreifen des Tieres. Sie sind zwischen fünf und zwanzig Zentimeter lang und reichen vom Halswirbel bis zum Steiß. Am „Fidle“ – dem Hinterteil – des Bocks sind die Haare am längsten. Die Haare werden fein säuberlich nach Längen zu Büscheln sortiert. Jeder Büschel hat 40 bis 50 Haare und jeder Bart 150 bis 200 Büschel. Auf diese Weise kommt ein Gämsbart auf 8000 bis 10000 Haare.

Jede Haarlänge wird extra an einen vernickelten, eingekerbten Draht gebunden, damit er schön fällt. Zum Schluß wird das Drahtende mit grünem Garn umwickelt.

Der Brunnenmacher aus Schöllang

Toni Thannheimer aus Schöllang ist einer der wenigen Brunnenmacher. Der Brunnenmacher war und ist kein Lehrberuf. Mitbringen muß man handwerkliches Geschick im Umgang mit Holz und evtl. das Wissen über die Mondphasen und Tierkreiszeichen.

Der Holzeinschlag, die Lagerung und Verarbeitung sollte nur an bestimmten Zeichen erfolgen, damit die Brunnen dauerhaft ihren Dienst erfüllen und nicht vorzeitig verrotten.

Mit der Einführung von Guß- und Stahlrohren ist der Brunnenmacher etwas in Vergessenheit geraten. Lediglich einzelne Dorfbrunnen sowie Brunnen für Alpen und Viehweiden werden noch hergestellt.

Das wichtigste Werkzeug eines Brunnenmachers ist heute die Motor- bzw. Kettensäge sowie eine Fräse zum Ausfräsen der Brunnentröge. Der altbewährte "Hohldeichsel"
dient meist nur noch zur Dekoration.

Die heute in Auftrag gegebenen Brunnen sollten meist möglichst urig aussehen. Hierzu werden astige, schnellwüchsige Randfichten verarbeitet. Da die Oberfläche glatt und sauber verschliffen werden sollen, muß das Holz entgegen jeder forstwirtschaftlichen Regel „im Saft“ geschlagen werden.

Schindelmacher

Oberstdorfer Schindelmacher fertigen die Schindeln aus einheimischem, einjährigen Fichtenholz.

Der Schlag des Holzes muß an einem kurzen Tag (Wintertag, da wenig Wassereinlagerung) erfolgen. Haltbarkeit je nach Dachneigung ca. 30 Jahre.

Die Art, Häuser mit Schindeln zu bedecken, ist Tausende von Jahren alt und auf fast allen Kontinenten anzutreffen: Kanada, Schweden, Norwegen, Polen, Russland, Ungarn, im Alpenland und Mitteleuropa. Überall kannte man dieses Verfahren. Je nach Land gibt es verschiedene Formen und Techniken der Herstellung.

Schuhmacher mit Geschichte

Die einstige Werkstatt hat ein traditionsreiches Schuhhaus hervorgebracht, wo 1803 der Meister Franz Schratt, der Erfinder des Haferl Schuhs mit 30 Gesellen und Lehrlingen Schuhwerk für Könige und Generäle, Industrielle und Einheimische fertigte.

Das dem Huf einer Gämse nachempfundene derbe Schuhwerk der Trachtler, welches der im Bergbauerndorf ansässige Franz Schratt zu Napoleons Zeiten in mühseliger Handarbeit nähte, trat einen Siegeszug durch die Welt an. Bis nach Japan eroberte der rustikale Treter als Mode-Trendsetter die Trottoirs. Für die Urform des „Haferl-Schuhs“ bestand indes kein Erstgeburtsrecht. Jeder tüchtige Meister durfte sich mit eigenen „Grobgenähten“ an die Sohlen des Erfinders heften.

Es war erst der Enkel, Josef, der von dem Erfindungsreichtum seines Ahns profitierte. Als Meister seines Faches auch in der Reklame heimste er bald Auszeichnungen in aller Welt ein und band adelige Kundschaft in halb Europa an sich.

Nicht nur Bayerns letzter König, Ludwig III., ließ sich ein in der eigenen Gerberei butterweich getrimmtes Fußleder samt Gamaschen anpassen. Sondern auch die Königin der Niederlande, die Könige von Württemberg und Sachsen, der Herzog von Kalabrien und Hundertschaften von Großherzögen, Fürsten, Prinzen und Grafen nebst Gemahlinnen promenierten in den Schuhen des Schusters aus dem Bergbauernort.
Nicht umsonst wurde Schratt der Titel „Schuhmacher der Könige“ verpasst. Er war aber auch ein „König der Schuhmacher“, wie seine vielen Goldmedaillen besagen. Es muss die Verarbeitung gewesen sein, welche die Produkte so begehrlich machten. Es waren perfekte Schuhe mit irrsinnigen Nähten.

Eigentlich zog Josef Schratt, ein Nachkomme von Franz Schratt, gleich zweimal den größten Schuh der Welt übern Leisten, zuerst 1930 und dann nochmals 1950. Vor der Premiere hatte das Hausmädchen zunächst die Kreidezeichnung auf dem Werkstatt-Fußboden als „Geschmier“ fein säuberlich aufgewischt. Dies konnte den eifrigen Meister aber nicht hindern. Ebenso wenig ein amerikanischer Botschafts-Attaché, der den Rekord für seine USA reklamieren wollte. Weil nach dem Zweiten Weltkrieg Leder knapp war, zerlegte Schratt sein erstes Titanenstück. Wenige Jahre später schnürte er einen noch gewaltigeren Weltrekord-Schuh, der bis heute im Heimatmuseum steht.

Die Kranzbinderinnen aus Oberstdorf

Einige wenige Kranzbinderinnen stellen noch nach alter Sitte den Kopfschmuck her, mit dem das schönste Rind jeder Alpe beim Alpabtrieb geschmückt wird.

Etwa 25 bis 30 Kränze sind es in dem jedem Herbst, mit denen die Rinder und Kühe der Oberstdorfer Alpen gekrönt werden.
Stundenlange Vorbereitungen gehen der eigentlichen Arbeit am Kranz voraus, für dessen Vollendung noch einmal vier Stunden gebraucht werden.

Es werden tausende von getrockneten Naturblumen und künstlichen Alpenblumen auf einem Drahtgestell zu einem farbenprächtigen Gebilde zusammen gebunden. Die eingearbeiteten Spiegel sollen beim Alpabtrieb die bösen Geister am Wegesrand bannen.

Am Tage des Viehscheides heißt es dann für die Kranzbindern, pünktlich überall dort zur Stelle zu sein, wo sich Vieh und Hirten zum Einzug ins Tal vorbereiten. Dann wird die Schönheitskönigin unter den Rindern geholt, die bereits auf der Alpe mit Maßband und nach bestimmen Schönheitsidealen gewählt wurde, von Jule Schleich mit dem üppigen Kopfschmuck gekrönt. Nur wenn während des Sommers der Viehbestand einer Alpen von Krankheit, Absturz oder einem anderen Unglück verschont blieb, darf vom Oberhirten die so geschmückte Kranzkuh zum Scheidplatz geführt werden.

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