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Aus dem Heimatmuseum

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Oberstdorf  ›  Kultur & Tradition  ›  Wintersport im Heimatmuseum
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von Alex Rößle

Wintersport im Heimatmuseum

Bis ins 19. Jahrhundert bedeutete der Winter für die Bevölkerung Oberstdorfs eine sehr arbeitsreiche Zeit. So musste z. B. das im Sommer geerntete Bergheu mühsam von den verschneiten Bergen heruntergeholt werden. Zur Fortbewegung im tiefen Schnee dienten Schneeschuhe. Das sind runde oder längliche Holzreifen, die mit einem Leder- oder Schnurgeflecht versehen wurden. Heute erfreut sich diese Technik durch den Schnee zu wandern wieder große Beliebtheit.
In Skandinavien wurden damals schon längst Skier verwendet. "Ski" bedeutet übrigens übersetzt „gespaltenes Holz“. Das deutsche Wort „Scheit“ ist mit ihm sprachlich verwandt. Statt durch den Schnee zu stapfen, konnten die Norweger auf ihren Brettern über längere Strecken gleiten. Im Winter 1891/92 unternahmen die ersten Oberstdorfer Versuche auf Skiern, die sie aus dem hohen Norden importiert hatten. Es war zunächst nur eine kleine Gruppe, aber schnell wuchs die Zahl begeisterter Skiläufer. Da wurde die Importware, die zudem sehr teuer war, rasch knapp. Ortsansässige Wagner und Küfer, die über das technische Knowhow verfügten, bauten deshalb schon bald die ersten Exemplare nach. Im Wintersportraum des Museums sind einige dieser ersten, meist einfacheren Skier aus Oberstdorf mit ihren primitiven Bindungen aber auch filigranere Importskier aus Norwegen ausgestellt.
Im Winter 1897 bezwangen vier Allgäuer sogar erstmals mit Skiern das Nebelhorn, indem sie sich zum Aufstieg Steigkeile unter die Skier banden.

Statt mit zwei Stöcken stützten sie sich bei der Talfahrt noch seitlich mit einer einzigen Alpenstange ab und fuhren im Telemarkstil, also in kniender Haltung, die Hänge hinab. Deshalb waren die Bindungen hinten noch nicht arretiert. 1904 brachte jedoch ein norwegischer Skilehrer die ersten Bambusstöcke mit Tellern nach Oberstdorf. Diese Erneuerung veränderte den Fahrstil grundlegend. Jetzt kamen Bindungen auf, in denen der ganze Bergschuh fixiert war. Auch dieser wurde nun so modifiziert, dass er vorne besser in den Bindungsbacken befestigt werden konnte. Ein besonders anschauliches Exemplar, nämlich den größten Lederskischuh der Welt, können Sie im Schuhraum des Museums bewundern.
Der "Weiße Sport" verhalf dem gerade aufkeimenden Wintertourismus in Oberstdorf zu einem zusätzlichen Anschub. Bisher wurde schon eine Reihe von Wintersportmöglichkeiten angeboten: Winterwanderwege wurden geräumt, Eisflächen auf den Seen zum Eislaufen und Eiskegeln freigeschaufelt und Rodelwege gespurt. Auch Beispiele für diese Sportgeräte sind in unserem Winterraum ausgestellt.
Um die Jahrhundertwende war der Ski noch ein Universalgerät. Mit ihm wurde auf dem Schnee gewandert, Hänge abgefahren und über Buckel gesprungen. Doch bald spezialisierte sich auch der Skilauf. Die Sportarten Alpinskilauf, Skilanglauf und Skispringen entstanden. Besonders das spektakuläre Skispringen wurde in Oberstdorf zu einer Winterattraktion. Die ersten Skischanzen wurden gebaut, welche zusätzlich Besucher in unser abgelegenes Tal lockten. Eine ganze Wandseite unseres Skiraumes widmet sich dieser damals neuen Sportart. Neben vielen alten Fotos von teilweise skurrilen Sprungstilen finden sie verschiedene Sprungskier und auch das Modell der 1972 neugebauten Skiflugschanze im Birgsautal.
Daneben entwickelte sich der alpine Skilauf zu dem beliebtesten Wintersport für unsere sportlich aktiveren Gäste. An den talnahen Hängen an der Halde oder am Karatsbichl boten bald die ersten Skilehrer ihre Dienste an. Doch es sollte noch einige Jahrzehnte dauern, bis mit der Nebelhornbahn 1932 die erste bequeme Aufstiegshilfe für die Skifahrer entstand. In den 50er-Jahren folgten dann weitere Lifte, die Söllereckbahn und schließlich die Fellhornbahn. Heute besitzt Oberstdorf das größte deutsche Skigebiet überhaupt.
Daneben blieb der Skilanglauf für viele Jahre eine weniger beachtete Sportart, die erst mit der nordischen Weltmeisterschaft 1887 einen großen Aufschwung in Oberstdorf nahm. Heute kommen viele Wintersportler extra wegen des attraktiven Loipenangebots nach Oberstdorf. Auch einige der ersten Langlaufausrüstungen sind im Wintersportraum zu betrachten.
Wir laden Sie recht herzlich ein, sich in unserem Museum über dieses Thema genauer zu informieren!

Alex Rößle

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