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Interview mit Steffi Probst

Warum organisiert Tourismus Oberstdorf eine Typisierungsaktion für Stammzellenspender?

Unsere Kollegin Steffi war mit 17 Jahren an Leukämie/Blutkrebs erkrankt und ihr Leben hing am seidenen Faden.
Dank der Stammzellen einer anonymen Spenderin im Januar 2012 konnte Steffi den Krebs nach langer und schwerer Zeit glücklicherweise besiegen.

Da wir so glücklich und dankbar sind, unsere Steffi weiterhin als Kollegin und Freundin haben zu können, möchten wir etwas zurückgeben und auch einen Teil dazu beitragen, anderen Menschen zu helfen.
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Frage: Steffi, wann und wie hast du gemerkt, dass es dir gesundheitlich nicht gut geht?

Steffi: 2009, im Dezember, habe ich mich schlapp und angeschlagen gefühlt. Ich dachte ich bin an einem grippalen Infekt erkrankt. Nach mehreren Arztbesuchen, die trotz Untersuchungen ergebnislos waren, ging es mir immer schlechter. Daraufhin bin ich eines Nachts selbst nach Oberstdorf ins Krankenhaus gegangen.

Frage: Wie ging es dann dort weiter?

Steffi: Hier wurden noch in der Nacht Blutuntersuchungen und weitere Tests vorgenommen. Am frühen Morgen wurde ich dann gleich in die Uniklinik nach Ulm verlegt.

Frage: War dir hier schon klar wie die Diagnose lauten könnte?

Steffi: Auf dem Weg nach Ulm noch nicht, aber vor Ort ging es dann ganz schnell.
Hier wurden weitere Untersuchungen vorgenommen und innerhalb der nächsten 5 Stunden erfuhr ich dann schon die Diagnose. "Akute Myeloische Leukämie (AML)"

Frage: Was waren dann die nächsten medizinischen Schritte?

Steffi: Als erstes wurde bei mir, wie üblich, eine Chemotherapie begonnen. Die Stammzellenspende wurde erst einmal ausgeschlossen, da aufgrund meiner Werte davon auszugehen war, dass ich mit der Chemotherapie vollständig geheilt werden kann.
Es ging sofort los mit Chemotabletten und innerhalb eines Tages wurde für mich mein Chemotherapieplan aufgestellt. D.h. die Therapie umfasste bei mir fünf Chemoblöcke, die jeweils ca. eine Woche dauerten. Um Infektionen zu vermeiden musste ich im Anschluss jeweils ca. 3 Wochen stationär in der Klinik bleiben. Mit Unterbrechungen war ich ein halbes Jahr in der Klinik.

Frage: Wie war dein gesundheitlicher Zustand nach diesem halben Jahr?

Steffi: Nach dieser Zeit waren meine Werte gut und die Leukämie galt als überstanden. Ich war jedoch körperlich in einem sehr schwachen Zustand. Meine Muskeln und meine Kondition musste ich erst wieder trainieren. Dafür war ich dann vier Wochen in der Rehabilitationsmedizin.

Frage: Wie lange hat es dann gedauert bis festgestellt wurde, dass es wieder Grund zur Sorge um deine Gesundheit gab?

Steffi: Bei den routinemäßigen Nachsorgeuntersuchungen im Uniklinikum in Ulm wurde nach ca. einem Jahr festgestellt, dass die Leukämie wieder zurück kommt. Der Resterkrankungswert der eigentlich auf 0 stehen sollte, stieg bei mir wieder stetig an. Nach Beratung mit meinen Ärzten habe ich mich dann entschlossen sehr schnell den Weg einer erneuten Behandlung zu gehen.

Frage: Was wurde dann gemacht?

Steffi: Die Entscheidung für eine Stammzellentransplantation wurde getroffen. Sofort wurde mit einer einwöchigen Chemo- und Ganzkörperbestrahlungstherapie begonnen. Das wird gemacht, um den Körper auf die Stammzellenspende vorzubereiten. Danach hieß es erstmal abwarten für mich, bis meine eigenen Zellen komplett zerstört waren, denn nur dann kann man die neuen Zellen vom Spender aufnehmen. Das dauerte bei mir ca. 3 Wochen.

Frage: Wie lief die Spendersuche?

Steffi: Gleich als ich mich für die Stammzellentransplantation entschieden hatte, wurde in der DKMS-Spenderkartei nach einem passenden Spender für mich gesucht. Hier hatte ich das Glück, dass gleich drei potentielle Spender verfügbar waren. Einer dieser Spender hat sich auf die Anfrage jedoch leider nicht zurück gemeldet.
Eine weitere passende Spenderin war jedoch bereit mir das Leben zu retten.

Frage: Wie ging es dann mit der Behandlung weiter?

Steffi: Nachdem mein Körper auf die Transplantation vorbereitet war, erhielt ich am 20. Januar 2012 meine neuen Stammzellen. Dann hieß es erneut für mich abwarten... In dieser Zeit war ich auf der Isolierstation in der Uniklinik in Ulm, um Infektionen vorzubeugen. Meine Familie und Freunde sah ich nur mit Mundschutz und Schutzkleidung.
Nach 4 Wochen erhielt ich dann die positive Nachricht, dass die neuen Zellen von meinem Körper gut aufgenommen worden sind und ich wurde auf die Normalstation verlegt. Endlich frische Luft und Besuch ohne Mundschutz!
Anfang März dann die nächste gute Nachricht - ich durfte nach Hause!!

Frage: Wie war der weitere Verlauf und wie geht es dir heute?

Steffi: Ich habe immer noch regelmäßig Nachsorgeuntersuchungen. Die Ergebnisse sind alle sehr gut und ich fühle mich super. Meine Ausbildung bei Tourismus Oberstdorf habe ich inzwischen erfolgreich beendet und arbeite weiterhin hier im Unternehmen. Ich bin glücklich und auf einem guten Weg ganz gesund zu bleiben. Ich reise viel, bin viel in der Natur unterwegs und fühle mich einfach gut!

Frage: Was möchtest du allen Menschen sagen die dieses Interview lesen und überlegen sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen?

Steffi: Jeder soll sich bewusst machen, dass die Leukämie jeden treffen kann. Vom Baby bis zum Senior, einen selbst, Personen aus der eigenen Familie, gute Freunde. Leukämie ist heute so gut heilbar wie noch nie, aber es fehlen oft potentielle Spender. Ich wünsche mir, dass das positive Ende meiner Geschichte viele Leser motiviert zum möglichen Lebensretter zu werden. Bitte macht euch Gedanken, informiert euch und vor allem registriert euch! Vielen Dank.



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