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Museum Gerstruben
Kürzlich wurde das nahezu unverändert erhaltene "Jakobe-Haus" (vormaliger Besitz von Jakob Huber) von außen und innen restauriert und dazu wieder ein traditioneller Bauerngarten angelegt. Die malerischen Stuben und Kammern im "Jakobe-Haus", die Küche, die Ställe, der Heuboden und die Tenne wurden fachgerecht renoviert und sind wieder mit ihrem ursprünglichen Inventar ausgestattet.
Das einstige Alpendorf Gerstruben zählt heute fünf Häuser und eine Kapelle, die zwischen 400 und 500 Jahre alt sind. Die noch bis zum Ende des 19. Jahr- hunderts von Bergbauernfamilien bewohnte Siedlung mit ihren von der Sonne gebräunten Holzhäusern, die sich mit der Berglandschaft ringsrum zu einer einmaligen Harmonie ergänzen, gehört heute zum Besitz der Oberstdorfer "Rechtler". Sie erhalten und pflegen die historische Höhensiedlung als Erbe der Vorväter.
Das „Jakobe Haus“ im historischen Dorf Gerstruben
Von dem einstigen Alpendorf Gerstruben im Dietersbachtal südlich von Oberstdorf sind noch fünf zwischen 400 und 500 Jahre alte Häuser und eine Kapelle erhalten, die heute als traditionsreiches Kulturgut und touristische Sehenswürdigkeit vom „Oberstdorfer Verein der ehemaligen Rechtler“ unterhalten und gepflegt werden. Die noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von mehreren Bergbauernfamilien bewohnte historische Siedlung mit ihren von der Sonne gebräunten Holzgebäuden, die sich mit der Berglandschaft ringsum zu einer einmaligen Harmonie ergänzen, gehört als historischen Höhensiedlung zum beredten Erbe der Vorväter im Oberstdorfer Raum. Das außen wie innen nahezu unverändert erhaltene „Jakobe-Haus“, das seinen Namen nach dem vormaligen Besitzer Jakob Huber trägt, erhielt wieder den einst traditionellen Bauerngarten. Jetzt wurden seine malerischen Stuben und Kammern, die Küche, die Ställe, der Heuboden und die Tenne fachgerecht renoviert und wieder mit ihrem ursprünglichen Inventar ausgestattet und das Anwesen als „Gerstrubener Museumshaus“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zusammen mit den in einem separaten Raum ausgestellten Bildern aus historischer Zeit vermittelt das mehr als 400 Jahre alte Anwesen den Besuchern einen Eindruck vom schlichten und arbeitsreichen Leben seiner einstigen Bewohner. Zum Überleben in der kargen Bergnatur müssen sie nicht nur fleißig und gottesfürchtig gewesen sein, sondern - wie die stimmige Harmonie des Ganzen zeigt - auch ein ausgeprägtes Gefühl für Kultur und Schönheit gehabt haben. Dies geht jedenfalls aus der bis ins Detail ebenso durchdachten wie ansprechenden Gestaltung ihres Mobiliars, ihres Hausrats und ihrer alltäglichen Gebrauchsgegenstände hervor. Damit fasziniert das typische Bergbauernhaus in Gerstruben nicht nur durch die Außergewöhnlichkeit seines äußeren und inneren Erscheinungsbildes, sondern es macht auch neugierig darauf, welcher Art diese Menschen waren, die viele Generationen lang hier lebten und arbeiteten und das alles geschaffen haben.
Erste Kunde von Gerstruben
Über die Entstehung von Gerstruben und den Ursprung seiner Bewohner gibt es nur unvollständige Berichte. Ohne verläßliche Quellen zu nennen, schreibt der der Oberstdorfer Buchdrucker und Verleger Karl Hofmann in seinem „Führer durch Ort und Landschaft“: „Die früheren Bewohner, deren Vorfahren vor mehreren hundert Jahren aus dem Lechtal kommend sich hier angesiedelt hatten, verkauften (1892) ihre angestammte Heimat an eine Kemptener Kapitalgesellschaft, die dort ein Wasserkraftwerk bauen wollte“. Kurz danach veräußerten jedoch die Kapitalgeber ihre neuen Liegenschaften an den Wormser Baron Cornelius Freiherr von Heyl zu Herrnsheim,
der sie als Jagdsitz nutzte. Der Lokalchronist Alois Schratt (Fronz-Alise) schreibt über die Ursprünge von Gerstruben, ohne verläßliche Quellen zu nennen:
„Die erste Kunde einer festen Ansiedlung im oberen Allgäu oder im Illerquellgebiet bezieht sich auf das hochgelegene Thal des Dietersbaches, dem heutigen Weiler Gerstruben, 1040 Pariser Fuß hoch mit 335 von Lawinen vom Wald freigehaltenen Abhängen, die keiner Rodung bedurften“. Die damaligen Siedlungen wurden mit den umliegenden Äckern und Feldern entweder mitten in den Wald gerodet, der zugleich das Baumaterial für Wohnhäuser und Wirtschaftsbauten lieferte, oder auf einer ehemaligen Alpe angelegt, wo keine Rodung mehr notwendig war. Die Talsohlen waren vor der späteren Besiedlung und Urbarmachung von den ungebändigten Bächen und Flüssen übersteint und versumpft und damit wesentlich siedlungsfeindlicher als die seitlichen Höhen und Terrassen. Die geographische Lage von Gerstruben und dem Traufberg hat jedoch auch noch zu anderen Spekulationen Anlaß gegeben. Es war schon früh bekannt, daß die hintersten Orte vieler Hochtäler nicht über die schwer zugängliche Talschluchten, sondern über die leichter begehbaren Pässe besiedelt wurde, wie z. B. die Siedlungen der Lechtaler Seitentäler Kaisers. Gramais und Pfafflar. Ebenfalls ist schon bekannt, daß in Gerstruben und dem Traufberg Tiroler Untertanen ansässig waren und wenigstens die Bewohner des Traufbergs in ihrer Steuer und Wehrpflicht noch lange zu Tirol gehörten. Dies führte dann zu dem Schluß, daß diese Allgäuer Hochtäler ebenfalls über den Bergkamm aus der jenseitigen Talschaft besiedelt wurden. Etwas präzisier beschreibt der Chroniker Hans Schedle die Besiedlung des Dietersbachtals und stützt sich dabei bis auf unsere Zeit erhaltene Unterlagen. Danach erfolgte die erste Ansiedlung in Gerstruben bereits im 9. Jahrhundert, und es hat sich bis heute eine Volksüberlieferung erhalten, daß die Bewohner von Gerstruben 893 zum Pfarrsprengel Agathazell bei Burgberg gehörten. Zum vermutlich ältesten Ort Gerstruben im Gemeindebezirk Oberstdorf „führte ein Fußweg von Gruben aus am Dietersberg entlang aufwärts zur Hochlage von Gerstruben“. Diesen sollen die Gerstrubener seiner Zeit im Sommer zu ihren weiten Kirchgängen nach Agathazell benutzt haben. Ob diese Überlieferung der Wahrheit entspricht, oder ob es nur um eine Legende handelt, ist nicht mehr genau festzustellen. Aber man darf ihr - zumindest als von Generation zu Generation weitergebene Erzählung - einen Platz in der Geschichte Gerstrubens einräumen.
Vorteile einer Höhensiedlung
Höhensiedlungen wie Gerstruben einer sehr frühen Besiedlung zuzuschreiben, hat zweifellos seine Berechtigung in der bevorzugten Lage dieser Orte. Die Weideplätze liegen überwiegend oberhalb der Baumgrenze und bieten ein besonders gutes Futter.
Die windgeschützte, sonnige Lage und ein fruchtbarer Lößboden (Rube) bieten
Eignen sich zum Anbau von Gemüse und winterhartem Getreide. Das Tiroler Untertanenverzeichnis von 1427 weist für das unter Oberstdorf genannte Gerstruben 31 Tiroler Familien aus, die auf Grund mangelnder Kenntnis über ihre Herkunft zwangsläufig als Tiroler Einwanderer angesehen wurden. Zu den vorhandenen Zeugnissen der frühen Nutzung solcher Hochtäler gehören auch die Namen,
die der Mensch den Landschaftsformen und Fluren seiner Heimat gegeben hat, denn
gerade sie weisen oft auf die erste Zeit der landwirtschaftlichen Erschließung und Nutzbarmachung zurück. Ein umfassendes Werk über die Flurnamen der Gemeinde Oberstdorf blieb bis heute erhalten und daraus erfahren wir die die ursprünglichen Flurnamen im Gerstruber und Traufberger Gebiet. Im Ortsnamen Gerstruben weist der erste Teil dieses Wortes auf den frühen Ackerbau in der beträchtlichen Höhenlage von etwa 1150 m hin. Außerdem ist der Ortsname Gerstruben bereits 1311 durch die urkundlich Erwähnung einer „Gerstruwerin“ belegt Daß besonders Gerste das geeignetste Getreide für das rauhe Klima hochgelegener Siedlungen ist, liegt daran,
daß die Gerste die kürzeste Vegetationszeit und den geringsten Wasserbedarf von allen Getreidearten hat und Hitze und Kälte am besten verträgt. Siedlungsgeschichtlich am interessantesten ist jedoch der Namensteil „-ruben“, denn dieser geht auf das vorromanische Wort ,,rovina" zurück, was soviel wie „Erdablagerung" oder „Lößboden-Geschiebefläche" bedeutet. In dieser Bedeutung für überwachsener Murkegel oder Geröllaufschüttung ist dieses Wort auch an anderen Orten im Oberallgäu namensgebend.
Rettenberger fördern die Ansiedlung von „Walsern“
Zunächst siedelten mit Erlaubnis des Freiherrn von Vaz die ersten „Walliser“ aus dem
Goms in der Schweiz an. Ihre Herren schätzten nicht nur den wirtschaftlichen Nutzen dieser kundigen Viehzüchter, die aus dem Wallis stammenden Männer waren vor allem wegen ihrer Wehrtüchtigkeit begehrt. Einstmals gehörte das gesamte Oberallgäu zum Besitz des mächtigen Adelsgeschlecht der Rettenberger, zu dem neben umfangreichen Ländereien im Oberallgäu, Lechtal und Tannberg auch die Vogtei über sämtliche klösterlichen Besitzungen im Oberillertal gehörte. Auch der „Wildbann am Mittelberg“ (heutiges Kleinwalsertal) des Hochstifts Augsburg lag damals in ihren Händen.) Als die Expansionsbestrebungen Tirols zunahmen, lag den Rettenbergern viel daran, tüchtige Krieger anzusiedeln. Vermutlich war dies ein wichtiger Grund, Siedler aus dem Wallis anzuwerben und diese an den strategisch wichtigen Übergängen nach Tirol seßhaft werden zu lassen. Der Zeitpunkt der Besiedlung des „Mittelberg und Taniberg sprechen ebenso dafür, wie die ungewöhnlich günstigen Bedingungen, zu denen den „Walsern“ die Ansiedlung gestattet wurde. Die Rettenberger Ritter waren auch ihre „Schirmherren“, obwohl sie zu dieser Zeit im Walsertal und am Tannberg keinen rechtlich gesicherten Grundbesitz, sondern es nur als Wildbann vom Hochstift Augsburg „zu Lehen“ hatten. Wir wissen dies aus den Aufzeichnungen eines „Gorrgen Hildprannds Aman zu Tennberg". (Das ihnen auferlegte Schirmgeld von jährlich einem Käse deckt sich mit der beschriebene Abgabe von einem Käse für ein „freies Waldlehen" innerhalb der Rettenberger Besitzungen.) Die Startbedingungen für die Walser waren verlockend: Nur eine symbolisch zu verstehende Abgabe von einem Käse im Jahr, die Bewahrung ihrer Freiheit und sogar ein eigenes Gericht. Wenn diese Rettenberger jedoch ein so großes Interesse daran hatten, im Tannberg und im Kleinen Walsertal wehrtüchtige Menschen als Schutz gegen die Expansionsbestrebungen Tirols anzusiedeln, so muß ihnen auch daran gelegen haben, das Traufberger und Gerstruber Tal zu besiedeln, oder die vorhandene Besiedlung zu verstärken. Mehrere Anzeichen weisen darauf hin, daß die Besiedlung Gerstrubens und des Traufbergs unter den gleichen Voraussetzungen geschah, wie die des Kleinen Walsertals.
Gerstruben gehörte einst Tirol
Nach dem Tode des letzten Rettenberger Ritters Heinrich um das Jahr 1350 verkauft dessen Tochter Adelheid mit ihrem Mann, dem Truchseß von Waldburg, ihr Erbteil an die Brüder Oschwald und Marquart von Heimenhofen. Schon bald darauf, im Jahre 1361, teilen die Heimenhofen ihren neuerworbenen Besitz unter sich auf. In der Urkunde, die diese Teilung besiegelt, ist festgehalten „daß Gerstruben und der Traufberg“ bereits im 14. Jahrhundert besiedelt waren. Oswald erhält mit den im Oberen Allgäu gelegenen Besitzungen, Rechten und Leuten gemäß dieses Vertrags auch eine „Gerstruberin mit iriu kinde, und was wir baide recht im Druchberg habent un lüten und angetan". Es ist unwahrscheinlich, daß die Einwohnerschaft Gerstrubens damals nur aus einer Frau und einem Kind bestand, namentlich sind auch keine weiteren Traufberger Leute und Güter genannt, sondern nur die Rechte der Heimenhofen an dortigen Leuten und Gütern. Über die Herrschaftszugehörigkeit der Bewohner dieser Täler gibt das Tiroler Feuerstätten- und Untertanenverzeichnis vom Jahre 1427 Auskunft. Hier sind sämtliche „Untertanen des Gerichts Ernberg“ namentlich aufgeführt, darunter auch drei Gerstruber Familien und eine Traufbergerin genannt. Vermutlich hatten sich 1348, dem Todesjahr des letzten Rettenbergers Ritters, sich die Gerstruber dem Tiroler „Gericht Ernberg“ angeschlossen. Urkundlich belegbar ist, daß sie sich unter den „Ernberger Fried und Schirm“ begaben. Der Zeitpunkt läßt darauf schließen, daß sie sich nach dem Tode des letzten Rettenbergers dem Grafen von Tirol unterwarfen, von dem sie sich Besseres erhofften, als von den Heimenhofen, die das Rettenberger Erbe übernommen hatten.
Öffnungszeiten
Das Museum hat während der Saison jeden Samstag, von 13.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.


















































