
Kolja Lessing hat sich der Wiederentdeckung und Rehabilitierung von Komponistinnen und Komponisten und deren Werken verschrieben, die zu Unrecht in Vergessenheit gerieten. Namen wie Franz von Holstein, Luise Adolpha Le Beau Joseph Haas, Heinrich Schalit und Mischa Spoliansky sind für ihn keine Unbekannten. Er nähert sich ihren Werken mit der gleichen Akribie und Wertschätzung an wie jenen von Persönlichkeiten wie Francis Poulenc oder Richard Strauss.
Mit Richard Strauss „Auf stillen Waldespfaden“ begibt sich Lessing auf die erste Spur in Oberstdorf. Der traf sich hier 1926 mit seinem (einzigen!) Kompositionsschüler Hermann Bischoff, der seinen Urlaubs- zum Wohnort machen wollte und das „Schlössle“ am Burgstall erwarb, dass der Komponist Franz von Holstein im Jahr 1874 erbauen ließ. Leider hat Bischoff keine Werke für Klaviersolo hinterlassen, dafür Franz von Holstein – und schon befindet sich das Publikum mitten in Oberstdorf und trifft auf einen Zeitgenossen Gertrud von le Forts: Joseph Haas, dessen „Praeconium“ op. 113 auf ihrem „Heiß´ uns willkommen, du schöne Stadt“ basiert. In diesem Konzert erzählt Lessing das „Hausmärchen op. 53“.
Ein weiterer Besucher Oberstdorfs war Heinrich Schalit, Komponist, Organist und Musikpädagoge des 20. Jahrhunderts, der 1933 Deutschland verlassen musste und später in die USA emigrierte.
Weiter geht die Spurensuche an diesem Abend mit dem französischen Komponisten Francis Poulenc, dessen Oper „Der Dialog der Karmeliterinnen“ auf dem Werk „Die Letzte am Schafott“ von Gertrud von le Fort beruht.
Mit dem musikalischen Grenzgänger zwischen Kabarett, Operette, Revue, Filmmusik und Konzertsaal Mischa Spoliansky, der den Klang der Berliner Weimarer Republik entscheidend mitprägte, der 1922 am „Dienersberg“ in Oberstdorf lebte und hier auch standesamtlich heiratete, kommt die Spurensuche in Oberstdorf zu einem Ende.
Mit dem Stück „Der Mensch muss eine Heimat haben“ aus Katharina Knie nach Carl Zuckmayer, mit dem Spoliansky seit den 20er Jahren befreundet war.
