
Eine alte Tradition zum Winterende
Am Sonntagabend nach Aschermittwoch flackert mit den Funkenfeuern
in Oberstdorf und den Dörfern sowie im gesamten Allgäu stets eine uralte Tradition auf. Wir drehen die Zeit zurück zu den Urmenschen, die schon vor zwei Millionen Jahren Blitzschläge nutzten, um Feuer zu machen. Jüngere Vorfahren lernten vor 700.000 Jahren dann, selbst Feuer zu entfachen. 2500 Jahre ist es her, dass im alten Rom immer am 1. März das heilige Feuer im Vesta-Tempel entzündet und der Beginn eines neuen Jahres markiert wurde. Einigen Ansichten zufolge sollen die Funkenfeuer, die jährlich am ersten Sonntag nach Aschermittwoch abgebrannt werden, auf dieses Ritual zurückzuführen sein. Andere Meinungen siedeln den Brauch weiter nördlich in der heidnisch-germanischen Mythologie an, wo der Sieg des Sonnengottes Baldur über den Winter gefeiert wurde.
Sicher ist nur eines: der Funkensonntag im Allgäu soll ebenfalls den Frühling im Jahreskreis begrüßen. Man wünscht sich wieder Licht und Wärme, neues Wachsen und Gedeihen. Dafür muss zunächst der Winter mit all seiner Kälte und Dunkelheit vertrieben werden. Das geht natürlich am besten mit Feuer. Je größer, desto besser und so wachsen unter vielen fleißigen Händen der Funkenbauer nach Fasching meterhohe Holztürme. Geschickt geschichtet stehen sie meist etwas oberhalb der Orte und werden nach dem „Richtfest“ streng bewacht, damit nicht etwa ein Strolch sie vor der Zeit in Brand steckt. Das passiert erst am Abend des Funkensonntags und alle warten gespannt darauf, dass die Funkenhexe, eine Lumpenpuppe, die den Winter symbolisiert und ganz oben im Funken hängt, von den Flammen verschlungen wird. Zum Brauch gehört auch die gesellige Runde bei Glühwein, Punsch und den leckeren „Funkenkiechle“
Beim Funkenfeuer in Schöllang ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.
