Kneipp-Anwendungen

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Sebastian Kneipp (1821–1897) hat im 19. Jahrhundert die Naturheilkunde revolutioniert. Nachdem er seine schwere Tuberkulose durch kurze Bäder selbst kurierte, begann er, sich intensiv mit der gesundheitsfördernden Kraft des Wassers und heilenden Wirkung ausgesuchter Pflanzen zu beschäftigen. Das Ergebnis seiner langjährigen Studien ist zeitlos, aktuell und absolut einfach.

Wichtig für alle Anwendungen: Jede Art von Kälte darf nur auf eine gut vorgewärmte Haut treffen – bei Kindern ist dies meistens (noch!) durch Bewegung gewährleistet.

In jedem Fall auf gute Wiedererwärmung achten und Auskühlung vermeiden. So halten Sie viele Infekte fern.

Armbad

Beide Arme in das Wasser eintauchen, bis kurz unter die Achselhöhlen, wobei die Ellbogen rechtwinklig gebeugt sind. Anschließend wird das Wasser mit den Händen abgestreift und durch leichtes Schwingen der Arme für die Nacherwärmung gesorgt (ca. eine Minute).

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder warmes Wasser, Armbadewanne oder sonstige Alternative wie z.B. Waschbe-cken; Zusätze: Kamille, Kleie, Zinnkraut, Moorlauge oder Fichtenextrakt.

Durchführung:
Beide Arme in das Wasser eintauchen, bis kurz unter die Achselhöhlen, wobei die Ellbogen rechtwinklig gebeugt sind. Anschließend wird das Wasser mit den Händen abgestreift und durch leichtes Schwingen der Arme für die Nacherwärmung gesorgt (ca. eine Minute).
Man unterscheidet zwischen: kalten, warmen, ansteigenden und heißen Armbädern.
Kalt: maximal 18 Grad. Warm: 36 bis 38 Grad. Es empfiehlt sich sehr, einen Kaltarmguss und Trockenbürsten daran anzuschließen. – Ansteigend: langsam von 35 auf 40/41 Grad steigern. Das ansteigende Armbad wirkt intensiver als das warme. – Heiß: 40 bis 41 Grad.
Wechselarmbad: Zwei Gefäße, von denen eines warmes Wasser enthält (vier bis fünf Minuten eintauchen) und das andere kaltes Wasser (fünf bis zehn Sekunden eintauchen). Dies in zwei- bis dreimaligem Wechsel. Immer mit dem Kaltbad beenden.

Dauer/Häufigkeit:
Kaltes Armbad: maximal 30 Sekunden.
Warmes Armbad: ca. 20 Minuten.
Ansteigendes Armbad: bei Schweißausbruch abbrechen.
Heißes Armbad: ca. 15 Minuten (oder bis zum Schweißausbruch).
Wechselarmbad: gut 15 Minuten.

Heilanzeigen:
Kalt: Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Insektenstiche, Angina pectoris, Kreislaufstörungen, Arteriosklerose, nervöse und organische Herzstörungen, Abhärtung, Immunstimulation.
Warm: Geschwüre, Wunden, Nagelbettenzündungen, Entzündungen der Lymphgefäße, Mus-kel- und Gelenkrheuma am Arm, allgemeine Herzbeschwerden, Asthma, Herzangst, chroni-sche Gelenkveränderungen, Gicht.
Ansteigend und heiß: Angina pectoris, Herzkranzgefäße, Rheuma, Gelenkerkrankungen, ei-ternde Wunden, Asthma.
Wechselarmbäder: bei Neigung zu kalten Händen und allgemeine Durchblutungsstörungen, Klimakteruim.

Gegenanzeigen:
Schwere Herz- und Hauterkrankungen.

Armwickel

Die drei Tücher – von denen das innere in Wasser getaucht und ausgewunden wurde – umhül-len die Fingerspitzen und den Arm bis zur Schulter.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder heißes Wasser, drei Leinentücher von je ca. 60 × 90 cm; Zusätze wie Kamille, Molke oder Zinnkraut.

Durchführung:
Die drei Tücher – von denen das innere in Wasser getaucht und ausgewunden wurde – umhül-len die Fingerspitzen und den Arm bis zur Schulter.
Die oberen Enden der äußeren Seite werden so schräg nach außen geschlagen, dass eine kür-zere Seite entsteht und damit automatisch auch eine längere.
Die längere Seite wird auf die Schulter gelegt, die kürzere endet in der Achselhöhle. Durch Faltenlegung wird zuerst die Hand, dann der Arm eingepackt.
Wichtig dabei ist, dass jedes Tuch fest auf der Hand und auf dem Arm aufliegt, ohne einzu-schnüren, und dass vor allem an der Schulter ein guter Abschluss vorhanden ist.

Dauer/Häufigkeit:
Kalter Armwickel: 20 bis 30 Minuten (wärmeentziehend).
45 bis 75 Minuten (wärmestauend).
Heißer Armwickel: bis abgekühlt.

Heilanzeigen:
Nervenentzündungen, Entzündungen und Eiterung des Nagelbetts, Geschwüre und Wunden am Arm, Entzündungen der Armlymphgefäße, Anregung der Herzfunktionen, der Durchblu-tung, der Atmung und des Stoffwechsels.

Augenbad

Der Sud des jeweiligen Zusatzes wird sorgfältig abgeseiht (feines Sieb oder Leinentuch, damit keine Kräuterbestandteile ins Auge geraten) abgekühlt und dem warmen Wasser (32-36 Grad) bzw. kühlen Wasser (22-24 Grad) zugefügt. Die Augenbadewanne ist nach Vorschrift zu be-nutzen.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kühles oder leicht erwärmtes Wasser, Augenbadewanne oder eine große Schüssel, in die das Gesicht ganz getaucht werden kann. Als Zusätze empfehlen sich Augentrost, Ackerschachtel-halm, Fenchel oder Kamille, aber auch Eichenrinde, Zinnkraut, Wermut, Honig, Aloe.

Durchführung:
Der Sud des jeweiligen Zusatzes wird sorgfältig abgeseiht (feines Sieb oder Leinentuch, damit keine Kräuterbestandteile ins Auge geraten) abgekühlt und dem warmen Wasser (32-36 Grad) bzw. kühlen Wasser (22-24 Grad) zugefügt. Die Augenbadewanne ist nach Vorschrift zu be-nutzen. Wird eine Schüssel benutzt, sollte das Gesicht in diese getaucht und die Augen lang-sam an die jeweilige Temperatur gewöhnt werden. Sie werden dann mehrmals geöffnet und geschlossen, damit die Flüssigkeit das Auge gut umspülen kann. Zwei- bis dreimal zum At-men auftauchen.

Dauer/Häufigkeit:
30 Sekunden; bei Warmanwendungen zweimal täglich, über mehrere Tage (ärztliche Verord-nung beachten!); bei Kühlanwendungen drei- bis viermal wöchentlich.

Heilanzeigen:
Kühles Augenbad: Kräftigung und Erfrischung des Auges, Überanstrengung der Augen (Brennen, Tränen, Rötung, Entzündung), Entzündungen der Bindehaut oder des Lidrandes (Gerstenkorn), nachlassende Sehkraft, kreislaufbedingte Sehstörungen.
Warmes Augenbad: Akute Augenentzündungen (Variante: Alle zwei Stunden die Augen mit-tels Wattebausch mit kühlem Augentrost-Tee waschen).
Honig-Augenbad: Einen halben Esslöffel Honig in einem halben Liter Wasser fünf Minuten kochen, abkühlen lassen damit die Augen waschen. – Augen-Aufschläge: Eine Handvoll Ei-chenrinde in einem halben Liter Wasser aufkochen, bis eine dunkelbraune Brühe entsteht. Abgießen (durch ein Sieb oder Tuch), Tuch in die lauwarme Flüssigkeit eintauchen und 30 Minuten auf die Augen legen. – Aloe-Augenbad: Eine Messerspitze Aloe auf einen halben Liter Wasser geben und aufkochen. Abkühlen lassen und dreimal täglich die entzündeten Au-gen damit waschen.

Beinwickel

Beim Beinwickel wird das gesamte Bein eingewickelt, wie beim Armwickel (siehe dort) wer-den Tücher und Decke oben einzeln schräg nach außen so umgestülpt, dass eine längere und eine kürzere Seite entstehen.

Hilfsmittel:
Vorwiegend kaltes Wasser, zwei Leinentücher und eine Wolldecke, die von den Zehen bis zum Oberschenkelende reichen; Zusätze: Lehm (Heilerde), Quark, Zinnkraut, Retterspitz oder Essig.

Durchführung:
Beim Beinwickel wird das gesamte Bein eingewickelt, wie beim Armwickel (siehe dort) wer-den Tücher und Decke oben einzeln schräg nach außen so umgestülpt, dass eine längere und eine kürzere Seite entstehen. Die längere Seite wird an der Außenfläche des Beines, die kür-zere an der Innenseite angelegt. Zuerst werden der Fuß und die Wade eingewickelt (siehe Fußwadenwickel) danach der Oberschenkel. Alle Tücher müssen faltenfrei anliegen und dür-fen besonders in der Leistenbeuge keinen Druck verursachen.

Dauer/Häufigkeit:
Ca. 20 bis 30 Minuten; nach Bedarf.

Heilanzeigen:
Der Beinwickel wirkt auf den gesamten Organismus insbesondere ableitend und umstim-mend.
Alle Venenerkrankungen, Krampfadern, arterielle Durchblutungsstörungen, Gelenkrheuma-tismus in Hüfte, Knie und Fuß, Nervenschmerzen, Ischias, muskuläre Verspannungen, Knie-gelenksarthrose, Erkrankungen der Harn-, Geschlechts- und Verdauungsorgane.

Brustwickel

Der Brustwickel reicht von den Achselhöhlen bis zum untern Rand des Brustkorbs. Alle drei Tücher (das innere Leinentuch wird in kaltes oder heißes Wasser getaucht und aus-gedrückt) werden wickelfähig auf dem Bett oder einer Liege ausgebreitet. Vor dem Einwi-ckeln legt man sich darauf und atmet leicht aus.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder heißes Wasser, drei Wickeltücher (Leinen, ca. 40 × 190 cm, Baumwolle, ca. 48 × 190 cm, Wolle, ca. 44 × 190 cm); Zusätze: Essig, Senfmehl, Heublumen, Haferstroh oder Kamille.

Durchführung:
Der Brustwickel reicht von den Achselhöhlen bis zum untern Rand des Brustkorbs.
Alle drei Tücher (das innere Leinentuch wird in kaltes oder heißes Wasser getaucht und aus-gedrückt) werden wickelfähig auf dem Bett oder einer Liege ausgebreitet. Vor dem Einwi-ckeln legt man sich darauf und atmet leicht aus. Erst dann wird das feuchte Tuch fest am O-berkörper angelegt. Am besten steht die wickelnde Person auf der Gegenseite. Dann folgend das Baumwoll- und das Wolltuch. Wichtig ist, dass die Tücher – wie bei allen Wickeln – glatt anliegen und die Atmung nicht beeinträchtigt wird, so dass man sich wohl fühlt. Beim war-men Wickel tritt sofort ein Wärmegefühl auf, beim kalten Wickel etwa nach 15 Minuten.

Dauer/Häufigkeit:
45 bis 60 Minuten (bis der kalte Wickel gut durchwärmt ist); die Dauer beim warmen Wickel richtet sich danach, wann er auszukühlen beginnt; bei Bedarf wiederholen.

Heilanzeigen:
Bronchitis (akut und chronisch), Stärkung des Immunsystems, Asthma (falls sich der Anwen-der durch den Wickel nicht beengt fühlt), nervöse Störungen im Herzbereich (schnelles Herz, Herklopfen, unregelmäßige Schläge), Luftröhrenentzündungen (akut und chronisch), Rippen-fellentzündungen, Lungenentzündung, Lungenemphysem (Erweiterung der Lungenbläschen), Fiebersenkung, Scherzlinderung, Entzündungshemmung, Stoffwechselstörung (warmer Wi-ckel), Bronchienentkrampfung (warmer Wickel).

Gegenanzeigen:
Schwere Herzkrankheiten; Ausgefrorenheit (beim kalten Wickel), akut-entzündliche und fie-berhafte Zustände (beim warmen Wickel).

Fußbad

Das Fußbad gleicht einem Unterschenkelbad. Die Gefäße müssen ausreichend hoch sein, da das Wasser mindestens zu den Waden reichen muss. Beide Unterschenkel werden gleichzeitig gebadet. Die Fußbäder werden kalt, warm, ansteigend, heiß und wechselwarm durchgeführt.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder auch warmes und wechselwarmes Wasser, ein oder zwei Fußbadewannen bzw. passende Eimer oder hohe Schüsseln; Zusätze: Holzasche, Salz, Kräuterabkochungen (Retter-spitz, Zinnkraut, Kamille, Heublumen, Eichenrinde oder Essig).

Durchführung:
Das Fußbad gleicht einem Unterschenkelbad. Die Gefäße müssen ausreichend hoch sein, da das Wasser mindestens zu den Waden reichen muss. Beide Unterschenkel werden gleichzeitig gebadet. Die Fußbäder werden kalt, warm, ansteigend, heiß und wechselwarm durchgeführt.

Dauer/Häufigkeit:
Kalt: 15 bis 60 Sekunden (bis 18 Grad).
Warm: 5, 10 oder 20 Minuten (danach ein kaltes Fußbad oder ein kalter Knieguss), 36 bis 38 Grad.
Ansteigen: Ca. 5 Minuten (von 37 auf 42 Grad ansteigend).
Wechselfußbad: Abwechselnd 5 Minuten, 20 Sekunden, 5 Minuten, 20 Sekunden (für 37 Grad bzw. 18 Grad).

Heilanzeigen:
Kalt: Abhärtung, Krampfadern, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Nasenbluten, Kopfschmer-zen, Ohrensausen, Lebererkrankungen, Darmträgheit, Magensäureüberschuss, Durchfall.
Warm: chronisch kalte Füße, Schweißfüße, Vorbeugung von Erkältungskrankheiten, Klimak-terium, Blasenleiden.
Ansteigend: Menstruationsstörungen, Kopfschmerzen, Wadenkrämpfe, Erkältungen, Halsent-zündung, Bronchialkatarrh, Bluthochdruck, Bronchialasthma, Gefäßkrämpfe, Gehstörungen, Bettnässe, Rheuma, Gicht, Arteriosklerose in den Beinen, Nierenleiden (nicht zu schwere).
Heiß: Grippe, Asthma, Menstruationsbeschwerden, Prostataentzündung, Darmgrippe, Magen-verstimmung.
Wechselfußbad: Abhärtung, Bluthochdruck, Nasenbluten, chronisch kalte Füße und sonstige Durchblutungsstörungen in den Beinen, Linderung der Beschwerde bei Senk- und Spreizfuß, Klimakterium, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, leichte nervöse Erregbarkeit, Schnupfen, Magenschleimhautentzündung, Begleittherapie bei Erkrankungen der Niere, der Blase und der Unterleibsorgane.

Gegenanzeigen:
Bei Krampfadern keine Fußbäder über 33 Grad und keine Wechselfußbäder vornehmen.

Gesichtsdampf

Der Gesichtdampf ist ähnlich dem Kopfdampf, bezieht sich aber nur auf das Gesicht. Das Wasser wird zum Kochen gebracht und der entsprechende Zusatz beigefügt.

Hilfsmittel/Zusätze:
Einen Topf für einen bis zwei Liter Wasser, Deckel, Wolldecke oder Badetuch, Kräuter und Öle. Bei Hautleiden empfehlen sich Kamille, Ackerschachtelhalm oder Ringelblume, bei Erkrankungen der Atemwege Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl. Die Öle nicht zu hoch dosieren.

Durchführung:
Der Gesichtdampf ist ähnlich dem Kopfdampf, bezieht sich aber nur auf das Gesicht. Das Wasser wird zum Kochen gebracht und der entsprechende Zusatz beigefügt. Den zugedeckten Topf auf einen Tisch stellen. Das Tuch oder die Decke über den Kopf und die Schultern um den Topf legen. Erst jetzt den Deckel entfernen und den Dampf auf die Haut – aber auch durch tiefes Atmen auf die Atemwege – wirken lassen.

Dauer/Häufigkeit:
Etwa zehn Minuten; bei Bedarf öfter anwenden.

Heilanzeigen:
Durchblutung der Gesichtshaut, unreine und zu Entzündungen neigende Haut, Mitesser, Ak-ne, Ekzeme, Entzündungen der Augen, Schnupfen und Katarrhe der Atemwege (Schleimlö-sung), Nasen- und Mittelohrentzündungen, Geschwüre, Halsdrüsenschwellungen, Nacken-rheuma; Asthma: Um einen Asthmaanfall rasch zu bekämpfen, kann heißer Wasserdampf eingeatmet werden, der besonders wirksam mit dem Zusatz von Fenchel oder Thymian ist.

Halbbad

Im Unterschied zum Sitzbad werden beim Halbbad auch die Beine und Füße miteinbezogen, d.h. der Körper wird bis zu den unteren Rippenbögen ins Wasser eingetaucht. Man verweilt für die entsprechende Zeit in sitzender Stellung mit ausgestreckten Beinen in der Wanne.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder heißes Wasser, Badewanne; Zusätze: vor allem Heublumen, aber auch Badezusät-ze wie Haferstroh, Zinnkraut, Fichtennadelextrakt, Melisse, Thymian oder Baldrian.

Durchführung:
Im Unterschied zum Sitzbad werden beim Halbbad auch die Beine und Füße miteinbezogen, d.h. der Körper wird bis zu den unteren Rippenbögen ins Wasser eingetaucht. Man verweilt für die entsprechende Zeit in sitzender Stellung mit ausgestreckten Beinen in der Wanne.
Beim kalten Halbbad können unnötige Wärmeverluste dadurch vermieden werden., dass man ein nach oben gerolltes Hemd anzieht. Danach steigt man schnell aus dem Wasser heraus, schlüpft unabgetrocknet in die Kleider und sorgt durch Bewegung oder Bettruhe für die erfor-derliche Nacherwärmung. Zu Beginn des Bades vorsichtig mit den Füßen ins Wasser steigen und sich langsam mit dem Gesäß hineinsetzen, wobei die Beine lang ausgestreckt sind und die Herzgegend und der Rücken mit der Hand benetzt werden.
Ein warmes Halbbad (ca. 37 Grad) ist bei Personen anzuwenden, deren Allgemeinzustand es nicht erlaubt, ein Vollbad anzuwenden.
Generell ist das heiße Halbbad Ersatz für das heiße Vollbad, wenn dieses nicht vertragen wird.

Dauer/Häufigkeit:
Kalt: 6 bis 10 Sekunden (15 bis 18 Grad). Heiß: maximal 12 Minuten (40 bis 45 Grad).
Halbbäder im Schnitt zweimal wöchentlich anwenden.

Heilanzeigen:
Halbbäder sind grundsätzlich appetitanregend, wohltuend, kräftigend und seelisch belebend.
Kalt: Menstruationsstörungen, Krampfadern, Bettnässen, Masern, Magenschleimhautentzün-dung, Magengeschwüre, Verstopfung, Blähungen, Magen-Darm-Katarrh, Zwölffingerdarm-geschwür, Blasenschwäche, Senkung der Unterlaubsorgane, Hysterie, nervöse Überreizung, Schlafstörungen, Schilddrüsenüberfunktion, Kräftigung des Kreislaufs, Kräftigung des Nervensystems.
Heiß: Rheumatisums, Gicht in den Beinen, Hexenschuss, Ischias, Grippe (zum Schwitzen bei beginnender Erkältung), Menstruationsstörungen, Gallenerkrankungen, Durchfall.

Gegenanzeigen:
Keine kalten Anwendungen bei akuten Darm Entzündungen mit Durchfall, Herzerkrankun-gen, Arteriosklerose.

Halswickel

Das kleinre Leinentuch wird mit Wasser befeuchtet oder mit einem Lehm- oder Quarkbrei bestrichen (zuvor der Länge nach falte!) und zweimal um den Hals geführt. Anschließend wird das trockene, ebenfalls einmal der Länge nach gefaltete Wolltuch gut anliegend darüber gebunden und festgesteckt.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes bzw. warmes Wasser, ein Tuch aus Leinen oder einem ähnlichen Material in einer Größe von ca. 10 × 60 cm sowie ein etwas größeres Wolltuch oder Schal; Zusätze: Lehm (Heilerde) und Quark.

Durchführung:
Das kleinre Leinentuch wird mit Wasser befeuchtet oder mit einem Lehm- oder Quarkbrei bestrichen (zuvor der Länge nach falte!) und zweimal um den Hals geführt. Anschließend wird das trockene, ebenfalls einmal der Länge nach gefaltete Wolltuch gut anliegend darüber gebunden und festgesteckt.
Kalte Wickel werden vor allem bei akuten Erkrankungen angewendet und mehrmals gewech-selt. Warme Wickel helfen besonders bei chronischen Entzündungen und bleiben längere Zeit (auch über Nacht) angelegt.

Dauer/Häufigkeit:
60 bis max. 90 Minuten (Variante: warme und kalte Wickel, s.o.)

Heilanzeigen:
Erkältungen, Mandel-, Rachen- und Kehlkopfentzündungen, Schwellung der Halslymphkno-ten, Entzündungen der Nase und Nasennebenhöhlen, Schilddrüsenerkrankungen, mäßig ver-größerte Schilddrüse, Herzklopfen, Diphterie, Masern.

Handwickel

Der Handwickel bedeckt die Hand bis kurz über das Handgelenk. Die drei Tücher werden zu je einem Dreieck gefaltet.

Hilfsmittel:
Kaltes oder heißes Wasser, zwei Leinentücher, ein Wolltuch (je 65 × 65 cm); Zusätze: Zinn-kraut, Kamille, Lehmpflaster oder Heublume.

Durchführung:
Der Handwickel bedeckt die Hand bis kurz über das Handgelenk. Die drei Tücher werden zu je einem Dreieck gefaltet. Die Hand ruht so auf dem nassen Innentuch, dass die Finger zur Spitze des Dreiecks zeigen. Man schlägt den oberen Zipfel dann so weit zurück, dass er den Handrücken bedeckt. Dann zieht man einen Seitenzipfel über den Handrücken und um das Handgelenk, wo man ihn einsteckt. Das gleiche geschieht mit dem anderen Seitenzipfel. Die-ser Vorgang wird mit dem Zwischentuch und dann dem Wolltuch wiederholt.

Dauer/Häufigkeit:
Kalter Handwickel: 20 bis 30 Minuten (wärmeentziehend). 45 bis 75 Minuten (wärmestau-end). Heißer Handwickel: bis abgekühlt.

Heilanzeigen:
Schwellungen, Taubheit, Durchblutungsstörungen, Entzündungen und Eiterungen des Nagel-betts, Geschwüre, Wunden, Nervenentzündung, Muskelrheumatismus, Arthrose der Kleinfin-gergelenke, Sehnenscheidenentzündung (heiße Anwendung); Angina pectoris (hierfür wird auch empfohlen: heißer Handwickel im Wechsel mit ansteigendem Handbad); Fingerwurm („Umlauf“).

Kniewickel

Die Anordnung der Tücher ist wie immer beim Wickel: ein inneres feuchtes Tuch, trockenes Zwischentuch und Wolltuch. Wenn man ein langes Handtuch zur Verfügung hat, kann ähn-lich wie beim Halswickel vorgegangen werden.

Hilfsmittel/Zusätze:
Vorwiegend kaltes Wasser, zwei kleine Leinentücher und ein Wolltuch; Zusätze: Lehm, Retterspitz.

Durchführung:
Die Anordnung der Tücher ist wie immer beim Wickel: ein inneres feuchtes Tuch, trockenes Zwischentuch und Wolltuch. Wenn man ein langes Handtuch zur Verfügung hat, kann ähnlich wie beim Halswickel vorgegangen werden. Eine Hälfte des Tuchs wird in die Wickelflüs-sigkeit eingetaucht, ausgedrückt und als erstes angelegt. Die andere, trockene Hälfte des Tuchs wird darüber gewickelt. Das Wolltuch rundet den Wickel ab.

Dauer/Häufigkeit:
Ca. 20 bis 30 Minuten / je nach Bedarf.

Heilanzeigen:
Kniearthrose (Verschleiß der Kniegelenke), Schwellungen im Kniebereich, Entzündungen, Gelenkerguss.

Kopfdampf

Den Topf mit dreiviertel Wasser füllen und mit geschlossenem Deckel kochen lassen. Ein bis zwei Handvoll Kräuter eine halbe Stunde lang mitkochen oder kurz vor der Behandlung 15 bis 30 Tropfen des entsprechenden Öls hinzugeben.

Hilfsmittel/Zusätze:
Wassertopf für drei bis fünf Liter Wasser, Deckel, Topfuntersatz aus Holz oder Kork, kleiner Holzrost oder zwei Kochlöffel, 2 Stühle oder Hocker, 1 großes Badetuch oder Wolldecke. Als Zusätzliche eignen sich als Kräuter besonders Kamille, Salbei, Heublume sowie als Öle Euka-lyptusöl oder Fichtenöl.

Durchführung:
Den Topf mit dreiviertel Wasser füllen und mit geschlossenem Deckel kochen lassen. Ein bis zwei Handvoll Kräuter eine halbe Stunde lang mitkochen oder kurz vor der Behandlung 15 bis 30 Tropfen des entsprechenden Öls hinzugeben. Danach den Topf mit einem Untersatz auf einen Stuhl/Hocker stellen. In bequemer Haltung und mit entblößtem Oberkörper davor set-zen und sich leicht über den Topf beugen. Mit dem Tuch dicht überdecken und jetzt den De-ckel des Topfes so weit zurückschieben wie gut verträglich (damit der Kopf bei einem evtl. Schwächezustand nicht in das heiße Wasser fällt, den kleinen Latenrost oder zwei Kochlöffel auf die Topföffnung legen). Den Kräuterdampf tief durch Nase und Mund einatmen. Abhus-ten und abschnäuzen, falls notwendig. Nach der Anwendung das Gesicht und den Kopf kurz kalt abwaschen und gut trocknen. Ein Auskühlen unbedingt vermeiden.

Dauer/Häufigkeit:
15 bis 20 Minute, nach Verträglichkeit auch bis zu 30 Minuten. Je nach Bedarf öfter anwen-den. Empfehlenswert ist im Anschluss an den Kopfdampf 30 Minuten Bettruhe oder zumin-dest noch im Raum bleiben.

Heilanzeigen:
Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Bronchialkatarrh, akute und chronische Nasen- u. Nebenhöh-lenentzündungen, Entzündungen des Kehlkopfs, Mittelohrentzündungen, Seitenstrangangina, überhaupt positive Beeinflussung chronisch eitriger Entzündungen, Hautunreinheiten (Akne), chronische Infektanfälligkeit.

Gegenanzeigen:
Bluthochdruck, grauer und grüner Star, Entzündungen des Auges, Arteriosklerose, allgemeine Schwäche, insbesondere Herz- und Kreislaufschwäche (Kollapsgefahr).

Mundbad

Ca. dreiviertel Liter Wasser wird einer der Zusätze beigegeben (im Falle von Entzündungen Salbeitee, Salzwasser oder Käsepappeltee). Je einen Schluck nehmen und bei geschlossenem Mund mehrmals durch die Zähne pressen und nach hinten laufen lassen, jedoch ohne zu gur-geln.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes Wasser; als Zusätze empfehlen sich Mundwasser, frischer Zitronensaft, Salbei, Salz oder Käsepappel.

Durchführung:
Ca. dreiviertel Liter Wasser wird einer der Zusätze beigegeben (im Falle von Entzündungen Salbeitee, Salzwasser oder Käsepappeltee). Je einen Schluck nehmen und bei geschlossenem Mund mehrmals durch die Zähne pressen und nach hinten laufen lassen, jedoch ohne zu gur-geln. Anschließend wird die Flüssigkeit ausgespuckt und die Anwendung wird mit einem neuen Schluck von vorne begonnen.

Dauer/Häufigkeit:
Ein- bis zweimal täglich zur Mundpflege; zwei- bis achtmal täglich bei Entzündungen.

Heilanzeigen:
Rachenkatarrh, Entzündungen der Zunge, der Mundschleimhaut sowie des Zahnfleischs.

Nasses Hemd

Das nasse Hemd entspricht einem verkürzten Ganzwickel und hat sich ganz besonders in der Kinderheilkunde bewährt. Je nach Verwendung von Zusätzen unterscheiden wir zwischen Satzhemd, Heublumenhemd und Lehmhemd.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes oder heißes Wasser, Leinenhemd, Leinentuch und Wolldecke; Zusätze: Salz, Lehm (kalte Anwendung), Heublumen (heiße Anwendung).

Durchführung:
Zubereitung der jeweiligen Zusätze:
Salzwasser: Ca. 500 Gramm Salz in fünf Liter kaltem Wasser auflösen.
Lehmwasser: Lehm in kaltem Wasser zu einer dickflüssigen Lehmbrühe verarbeiten.
Heublumensud: Vier bis sechs Handvoll Heublumen in fünf Liter kochendem Wasser ziehen lassen.
Das Leinenhemd, das als Innentuch dient (Wickelprinzip), wird in gewünschte Flüssigkeit getaucht, ausgedrückt und dem Kind angezogen, wobei es auf der Haut glattgestrichen wird. Die Hände und Füße bleiben frei. Danach folgt die Umwicklung mit dem Leinenzwischentuch und die abschließende Abdeckung mit der Wolldecke.

Dauer/Häufigkeit:
45 bis 60 Minuten, je nach Bedarf.

Heilanzeigen:
Salz- und Heublumenhemd: Masern, Scharlach (Förderung der Entwicklung des Ausschlags sowie der Entgiftung), Nervosität, Angina.
Heublumenhemd: Infektionskrankheiten, Rachitis, Haut- und Lymphknotenerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Blutvergiftung.
Lehmhemd: Hauterkrankungen, Ekzeme, Hautjucken, Flechten, Nervosität, Angina.

Nasenbad

Das Wasser wird aus einem Gefäß oder aus den hohlen Händen durch die Nase aufgezogen, ohne dabei Luft mit einzuatmen. Wünschenswert ist, dass das Wasser in den Mund gelangt und ausgespuckt werden kann.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kühles Wasser (20 – 25 Grad), Nasenspülapparat oder Gefäß; als Zusatz falls vorhanden Zinnkraut.

Durchführung:
Das Wasser wird aus einem Gefäß oder aus den hohlen Händen durch die Nase aufgezogen, ohne dabei Luft mit einzuatmen. Wünschenswert ist, dass das Wasser in den Mund gelangt und ausgespuckt werden kann. Empfehlenswert ist auch die tägliche Spülung mit Zinnkraut-abkochungen.

Dauer/Häufigkeit:
Ca. fünf Sekunden, öfters wiederholen; bei Bedarf mehrmals täglich.

Heilanzeigen:
Schnupfen, Heuschnupfen.

Sitzbad

Grundsätzlich sollten Sitzbäder nicht zu häufig angewendet werden. Die Wasserhöhe soll bis zum Nabel bzw. zur Nierengegend reichen und die Oberschenkel halb bedecken. Die gut durchwärmten Füße stehen vor der Sitzbadewanne auf einem Schemel oder auf dem Wannenrand bzw. auf einem in halber Höhe in die Wanne gelegten Brett.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes, warmes oder heißes Wasser, spezielle Sitzbadewanne, sog. Badeschemel oder übliche Badewanne, gegebenenfalls Schemel, Holzbrett; Zusätze: Fichtennadelextrakt, Heublume, Haferstroh, Kamille, Kalmuswurzel, Kleie, Zinnkraut oder Eichenrinde.

Durchführung:
Grundsätzlich sollten Sitzbäder nicht zu häufig angewendet werden.
Die Wasserhöhe soll bis zum Nabel bzw. zur Nierengegend reichen und die Oberschenkel halb bedecken. Die gut durchwärmten Füße stehen vor der Sitzbadewanne auf einem Schemel oder auf dem Wannenrand bzw. auf einem in halber Höhe in die Wanne gelegten Brett. Die Füße, Unterschenkel und Knie befinden sich nicht im Wasser. Man unterscheidet zwischen kalten, warmen und heißen Sitzbädern sowie zwischen dem Wechselsitzbad und den Reibe-sitzbad. Beim kalten Sitzbad bleibt der Oberkörper bekleidet. Es ist nur von kurzer Dauer und bedarf eine anschließende Nacherwärmung durch Bettruhe oder Bewegung.
Das warme Sitzbad ist meist ein Kräuterbad, bei dem der Oberköper entblößt ist und mitsamt der Sitzbadewanne von einer sehr großen Wolldecke umhüllt wird (auch die Füße). Anschlie-ßend erfolgt eine Kaltanwendung, z.B. in Form einer Waschung des Unterkörpers.
Das heiße Sitzbad entspricht in der Anordnung dem warmen. Beim Wechselsitzbad werden zwei Sitzbadewannen benötigt. Der Oberkörper ist wie beim warmen u. heißen Sitzbad warm bedeckt. Das Reibesitzbad wird kalt durchgeführt. Hier wird ein Schemel in die Badewanne gestellt. Das Wasser reicht gerade bis zur Sitzfläche des Schemels, auf den man sich setzt und das kalte Wasser gegen den Unterleib und Bauch spritzt, das dann mit einem groben Leinen-tuch verrieben wird. Dieser Vorgang ist öfter zu wiederholen. Anschließend tupft man den behaarten Teil des Unterleibes ab und streicht im übrigen das Wasser mit der Handfläche ab. Unbedingt für Nacherwärmung sorgen in Form von Bettruhe oder Bewegung.

Dauer/Häufigkeit:
Kalt: 6 bis höchstens 20 Sekunden (15 bis 18 Gran). Warm: 10 bis 20 Minuten (ca. 37 Grad).
Heiß: 10 bis 20/25 Minuten (40 bis 45 Grad). Wechselsitzbad: 5 Minuten warm mit 20 Se-kunden kalt im Wechsel. Reibesitzbad (kalt): 10 bis 15 Minuten. Insgesamt höchstens zwei bis drei Sitzbäder pro Woche.

Heilanzeigen:
Grundsätzlich: Durchblutungsstörungen der Unterleibs- und Bauchorgane Kalt: Hämorrhoi-den, Verstopfung, Blähungen, Verdauungsbeschwerden (Magen- und Darmstörungen), Darm-trägheit, Unterleibsbeschwerden (Schwächung der Keimdrüsenfunktionen), Schlafstörungen, Herzstärkung. Warm: Menstruationsbeschwerden (Krämpfe, Ausbleiben der Regel), Gebär-mutterentzündungen (Zinnkraut), Prostataentzündungen (Zinnkraut), Gallenblasenerkrankun-gen, Nierenentzündungen, Blasenentzündungen, Senkung innerer Organe, Krämpfe und Koli-ken der Verdauungs- und Harnorgane, Kräftigung des Beckenbodens während und nach der Schwangerschaft, Magensäureüberschuss, Blasensteine (Haferstroh und Holzasche; 20 Minu-ten / zwei bis dreimal pro Woche). Heiß: Menstruationsbeschwerden, Eierstockentzündungen, Bettnässen, Nierensteine, Neigung zu Durchfällen, Darm und Nierenkoliken. Wechselbad: Darmerschlaffung, Funktionsstörungen von Leber, Galle, Magen, Dick- und Dünndarm, Nie-renerkrankungen, Blähungen, Blasenbeschwerden, Störungen der ableitenden Harnwege, Un-terleibsbeschwerden, Gebärmutterentzündungen, Kreuzschmerzen. Reibersitzbäder: Anre-gung und Stärkung des vegetativen Nervensystems, Darmträgheit, Funktionsstörungen der Harn- und Geschlechtsorgane.

Gegenanzeigen:
Keine Kaltanwendungen bei Unterleibs- und Blasenerkrankungen sowie Hexenschuss.

Vollbad

Mit Vollbad ist hier nicht das übliche Reinigungsbad gemeint, sondern ein Bad, mit dem je nach Temperatur und Dauer unterschiedliche Wirkung auf den Organismus erzielt werden können.

Mit Vollbad ist hier nicht das übliche Reinigungsbad gemeint, sondern ein Bad, mit dem je nach Temperatur und Dauer unterschiedliche Wirkung auf den Organismus erzielt werden können. Im Gegensatz zu den relativ oft angewendeten Dreiviertel- und Halbbädern (siehe dort) ist hier der gesamte Körper einschließlich Hals vollständig mit Wasser bedeckt. Gebadet erden soll unbedingt ein bis zwei Stunden vor und frühestens zwei Stunden nach dem Essen. Blase und Darm sollten entleert sein. Im folgenden werden die kalten, warmen und heißen Vollbäder erörtert (die temperierten, ansteigenden und wechselwarmen sollten her der Voll-ständigkeit halber nur erwähnt werden).

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes, warmes oder heißes Wasser, Badewanne. Die Zusätze richten sich nach dem jeweili-gen Zweck des Bades und werden teilweise gesondert angegeben. Grundsätzlich Verwendung finden: Lavendel, Baldrian, Melisse, Schafgarbe, Fichtennadel, Kamille, Kalmuswurzel, Rosmarie, Thymian, Heublumen, Zinnkraut, Eichenrinde, Walnussblätter, Haferstroh, Kleie, Molke; Salz, Holzasche, Schwefel, Moorlauge. Die wichtigsten und gebräuchlichsten ge-mischten Badezusätze sind:
Heublumen und Haferstroh (zu gleichen Teilen), Fichtenextrakt mit Salz (ca. ein Kilogramm Salz pro Vollbad), Kalmus und Walnussblätter (zu gleichen Teilen), Holzasche und Salz (zu gleichen Teilen).

Vollguß

Beim Vollguss handelt es sich um die Begießung des gesamten Körpers von den Fußspitzen bis zum Hals. An der rechten Fußaußenseite beginnend führt man den Schlauch bis zum Gesäß hoch und an der Innenseite des rechten Beines wieder zum Fuß zurück;

Durchführung:
Beim Vollguss handelt es sich um die Begießung des gesamten Körpers von den Fußspitzen bis zum Hals. An der rechten Fußaußenseite beginnend führt man den Schlauch bis zum Gesäß hoch und an der Innenseite des rechten Beines wieder zum Fuß zurück; an der linken Sei-te verfährt man in der gleichen Weise, geht jetzt aber nicht abwärts, sondern benetzt Brust und Rücken mit kaltem Wasser und führt dann den Schlauch in Füllfederhaltung am rechten Arm hoch bis zur Schulter. Dort lässt man das Wasser so verteilen, dass ein Drittel die Brust und zwei Drittel den Rücken herunterfließt. Anschließend begießt man die rechte Seite wo des Rückens bis unterhalb des Gesäßes, wo der Schlauch dann am linken Arm, ebenso wie am rechten, hoch bis zur Schulter geführt wird und wiederum ca. ein Drittel des Wassers die Brust und zwei Drittel des Wassers die Brust und zwei Drittel den Rücken hinunterfließt. Wie zuvor beim Gesäß werden jetzt die Seiten gewechselt, diesmal jedoch über den Nacken. Nach zweimaliger Wiederholung geht es schließlich an der linken Seite zum Fuß hinab.
Nun erfolgt die Begießung der Vorderseite am rechten Fußrücken bis hoch zur Leistenbeuge und an der Innenseite zurück; desgleichen am linken Bein, wo aber in der Oberschenkelmitte zur rechten Hand gewechselt und, wiederum in Füllfederhaltung, der Schlauch bis zur Schul-ter (Schlüsselbein) geführt wird. Dort lässt man – nun umgekehrt – zwei Drittel des Wassers über die Brust und ein Drittel über den Rücken fließen. Daraufhin geht man über die Brust und den Bauch bis zur Oberschenkelmitte zurück und wechselt nach links, wo die gleiche Prozedur wiederholt wird.

Hilfsmittel:
Kaltes Wasser, Gießschlauch (Kneipp-Gießschlauch, Brauseschlauch oder Gießrohr mit 1,5 bis 2 cm Durchmesser), (evtl.) Hilfsperson.

Dauer/Häufigkeit:
Ca. 60 bis 90 Sekunden; einmal pro Woche.

Heilanzeigen:
Kreislaufstörungen (Durchblutung), Stoffwechselstörung, Muskelrheumatismus, Hautkrank-heiten (Ableitung über die Haut), Blähungen, Übergewicht.

Gegenanzeigen:
Schwächezustände, Herzkrankheiten.

Wadenwickel

Der Wickel reicht von den Fußknöcheln bis zur Kniekehle. Wegen der zumeist angestrebten Allgemeinwirkung sollten immer beide Waden eingewickelt werden. Die Durchführung er-folgt im Liegen.

Hilfsmittel/Zusätze:
Kaltes Wasser, zwei Leinentücher (ca. 30 × 70 cm), ein Zwischentuch aus Baumwolle (ca. 34 × 70 cm) und ein Wolltuch (ca. 32 × 70 cm); Zusätze: Quark, Retterspitz oder Essig.

Durchführung:
Der Wickel reicht von den Fußknöcheln bis zur Kniekehle. Wegen der zumeist angestrebten Allgemeinwirkung sollten immer beide Waden eingewickelt werden. Die Durchführung er-folgt im Liegen. Das kleinere Leinentuch wird ins Wasser eingetaucht, ausgedrückt und straff um den Unterschenkel gewickelt. Danach folgen das zweite Leinentuch sowie das Wolltuch, die ebenfalls straff, aber nicht zu eng anliegen sollen. Als Ersatz kann auch ein langes Hand-tuch, dessen eine Hälfte angefeuchtet wird, straff um den Unterschenkel gewickelt werden. Als alternative können auch heiße Wickel angelegt werden.

Dauer/Häufigkeit:
Kalt: 5 Minuten (öfter wechseln; wärmeentziehend, z.B. bei Fieber);
10 bis 15 Minuten (öfter wechselnd; bei Überhitzung z.B. im Sommer);
20 bis 30 Minuten (entzündungshemmend und gewebestraffen).
Heiß: Ca. 60 Minuten.
Häufigkeit je nach Bedarf.

Heilanzeigen:
Abhärtung, Prellungen, Blutergüssen, Unausgeglichenheit, Schlafstörungen, Stress, Blut-hochdruck, Durchblutungsstörungen, Fieber, Katarrhe der oberen Luftwege, Angina, Mittel-ohrentzündungen, Ekzeme, Arteriosklerose (der Gehirngefäße), Geschwüre, Kräftigung der Venen, Venenentzündungen, Krampfadern, Gelenkrheumatismus, Sehnenscheidenentzündung (heiß), Kinderlähmungserscheinungen (heiß).

Wassertreten

Das Wassertreten ist eine Variante des kalten Fußbades. Wie bei jeder Kaltanwendung ist es wichtig, dass der Körper und die Füße warm sind. Das Wasser muss knapp bis zum Knie reiche. Hochgekrempelte Hosen dürfen nicht einschneiden. Beim Treten des Wassers muss jeweils ein Bein ganz aus dem Wasser gehoben werden, damit die Luft die Fußsohlen berüh-ren kann (Storchengang).

Hilfsmittel:
Kaltes Wasser (8-18 Grad), Badewanne, Fußbadewanne oder Eimer (im Freien ein Bach oder eine Kneipp-Wassertretstelle).

Durchführung:
Das Wassertreten ist eine Variante des kalten Fußbades. Wie bei jeder Kaltanwendung ist es wichtig, dass der Körper und die Füße warm sind. Das Wasser muss knapp bis zum Knie reiche. Hochgekrempelte Hosen dürfen nicht einschneiden. Beim Treten des Wassers muss jeweils ein Bein ganz aus dem Wasser gehoben werden, damit die Luft die Fußsohlen berüh-ren kann (Storchengang). Dies wird solange wiederholt, bis sich eine leichte Rötung zeigt bzw. ein schneidendes Gefühl an den Waden einstellt. Dann sofort aus dem Wasser ausstei-gen, das Wasser mit den Händen abstreifen und mit den feuchten Füssen in Wollsocken hin-einschlüpfen, die Schuhe anziehen und rasch eine halbe Stunde gehen. Die Nacherwärmung kann auch durch Bettruhe erfolgen. Als Behelf kann das Wassertreten auch in einem Eimer im Sitzen oder Stehen vorgenommen werden, wobei die Beine abwechselnd ganz aus dem Was-ser gehoben werden.

Varianten:
Tautreten: 3 bis 4 Minuten barfuss durch taufechtes Gras gehen.
Schneegehen: 1 bis 2 Minuten (maximal 5 Minuten) barfuss durch den frischen Schnee gehen.
Barfussgehen: 10 bis 30 Minuten täglich durch trockenes Gras laufen.

Dauer/Häufigkeit (des Wassertretens):
20 bis 129 Sekunden; täglich ein bis zweimal. Je kälter das Wasser, desto kürzer die Anwen-dung.

Heilanzeigen:
Abhärtung, Vorbeugung gegen Erkältungen, kalte Füße (unbedingt auf Vorerwärmung ach-ten!), Bettnässen, Müdigkeit, Stress, Schlafstörungen, Kreislaufstörungen, Durchblutungsstö-rungen, gefäßbedingte Kopfschmerzen, Blutableitung aus dem Kopf, Benommenheit, Stirn-druck, Ohrensausen, Venenkräftigung, Nervosität, Wetterfühligkeit, Klimakterium, Menstrua-tionsstörungen, Haarausfall, Nasenbluten, Blutarmut, Bluthochdruck, Fußbeschwerden, Asthma, Schwindelanfälle, Belebung für Körper und Seele.

Gegenanzeigen:
Ischiasnervenschmerzen, Erkrankungen der Niere und der Blase, während der Menstruation.

Zu den sieben Abhärtungsmaßnahmen nach Kneipp gehören:
1. Barfussgehen
2. Tautreten
3. Gehen auf nassen Steinen (maximal 15 Minuten, bei Gesunden aber auch 30 Minuten und länger)
4. Gehen im Schnee
5. Im Wasser bis zu den Waden gehen
6. Abhärte der Arme und Beine
7. Der kalte Knieguss

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