Viehscheid

12.09.17 Schöllang & 13.09.17 Oberstdorf

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Festtage am Ende des Alpsommers

Buntes Treiben, gekränzte Kühe und tönende Glocken – die Viehscheide werden traditionell gefeiert.

Im Frühsommer wird das junge Allgäuer Braunvieh, das die ortsansässigen Bauern dem Alphirten anvertrauen, alljährlich zur Sommerfrische auf die Berge geschickt. Ungefähr hundert Tage bleiben sie dort oben. Wenn dann im September die Weidezeit zu Ende geht und keinem Tier ein Unheil geschehen ist, was vom Hirten und den wackeren Heiligen St. Wendelin und St. Leonhard mit vereinten Kräften vermieden wurde, kommen die großen Tage der Oberstdorfer und Schöllanger Viehscheide.

Diese traditionsreichen Alpabtriebe beschließen den verdienten Alpsommer. Gefolgt von seiner Herde verlässt der Alphirt mit seinem Kranzrind die Alpe. Hierfür wird das schönste Tier ausgewählt und mit einem prachtvollen Gebinde aus Zweigen, Blumen und Bändern geschmückt. Schon von Weitem tönen die riesengroßen
Schellen und Glocken, wenn sich das Vieh seinen Weg ins Tal bahnt, sehr zur Freude aller Einheimischen und Gäste. Das Wort „Viehscheid“ besagt, dass das Vieh auf einem großen Platz „geschieden“, d. h. getrennt wird. Jedes kommt zu seinem Besitzer zurück und von hier aus in den Stall.
Umrahmt wird dieses einzigartige Erlebnis durch ein wahres Volksfest mit Blasmusik, zünftigen Schlemmereien und dem vorzüglichen Allgäuer Bier.

Jule Schleich (rechts im Bild) ist eine der wenigen Kranzbinderinnen, die noch nach alter Sitte den Kopfschmuck herstellen, mit dem das schönste Rind jeder Alpe beim Alpabtrieb geschmückt wird. Mit etwa 25 bis 30 Kränzen werden die Rinder und Kühe der Oberstdorfer Alpen in jedem Herbst gekrönt.
Stundenlange Vorbereitungen gehen der eigentlichen Arbeit am Kranz voraus, für dessen Vollendung sie noch einmal vier Stunden braucht. Tausende von getrockneten
Naturblumen und künstlichen Alpenblumen werden auf einem Drahtgestell zu einem farbenprächtigen Gebilde zusammengebunden. Die eingearbeiteten Spiegel sollen während des Abtriebs die bösen Geister am Wegesrand bannen.

Die Kranzbinderinnen aus Oberstdorf

Am Tage des Viehscheides heißt es für die Kranzbinderin, pünktlich überall dort zur Stelle zu sein, wo sich Vieh und Hirten zum Einzug ins Tal vorbereiten. Bereits im Voraus wurde auf der Alpe mit Maßband und nach bestimmen Schönheitsidealen die Schönheitskönigin unter den Rindern gewählt.
Dieses Prachtvieh wird von Jule Schleich mit dem üppigen Kopfschmuck gekrönt. Aber nur, wenn während des ganzen Sommers der Viehbestand einer Alpe von Krankheit, Absturz oder einem anderen Unglück verschont blieb, darf diese geschmückte Kranzkuh vom Hirten zum Scheidplatz geführt werden.

Vor 100 Jahren: Viehscheid zu Oberstdorf

Viehscheid vor hundert Jahren

Zu einem großen Volksfest und Viehmarkt hatte sich schon damals der Tag der »Viehscheide zu Oberstdorf« entwickelt, und so zeigen die Holzschnitte zu dem Zeitungsbericht vor allem Bilder von diesem Ereignis.

Kranzrind der Alpe Bierenwang

Termine & Zeitplan

Schon von weitem hört man das Tönen der riesengroßen Schellen und Glocken, die die Tiere mit stoischer Gelassenheit an kunstvoll gezierten Lederriemen um den Hals zu Tale tragen.

Impressionen vom Viehscheid 2016

Kleines Viehscheid-Lexikon

Alpe
Bergweiden inklusive der entsprechenden Unterkünfte für Hirten und Vieh (Alphütte mit Ställen). Ist nur während der Sommermonate bewirtschaftet. Im bajuwarischen Sprachtum werden die Alpen übrigens auch "Almen" genannt.
Galtalpe
Alpe, auf der nur Galtvieh gehalten wird.
Galtvieh
Vieh, das noch keine Milch gibt.
Kalb
Rind bis zum 1. Lebensjahr.
Kranzrind
Festlich geschmücktes Rind, das die Herde beim Alpabtrieb anführt, wenn während des Sommers keine Viehverluste zu beklagen waren.
Kuh
Weibliches Rind, das mindestens einmal gekalbt hat und somit Milch produziert.
Kuhalpe
Alpe, auf der Kühe gehalten werden, deren Milch zur Verarbeitung ins Tal gebracht wird.
Mischalpe
Alpe, auf der neben Kühen und Jungvieh zum Teil auch Tiere anderer Art (Ziegen, Schafe, Pferde u.Ä.) gehalten werden.

Ochse
Das kastrierte männliche Rind, wird heute hauptsächlich zur Fleischproduktion gahalten.
Rind
Großer, hohlhörniger Wiederkäuer; eines der ältesten Haustiere (seit ca. 4000 v.Chr), zunächst heiliges Tier, später Arbeits- und Nutztier (Milch, Fleisch). Oft wird mit "Rind" im allgemeinen Sprachgebrauch auch nur das (weibliche) Jungrind gemeint.
Schumpen
Weibliches Jungvieh
Scheidplatz
Meist außerhalb des Ortes gelegener Platz, auf dem die Herden nach dem Alpabtrieb wieder auseinandergeschieden und an ihre Besitzer zurückgegeben werden.
Schellen
Große, aus Schwarzblech gefertigte Kuhglocken, die speziell für den Viehscheid angelegt werden.
Sennalpe
Alpe, auf der Kühe gehalten werden, deren Milch noch vor Ort verarbeitet wird (Käse etc.)
Stier
Das männliche, nicht kastrierte Rind, auch "Bulle" genannt.
Viehscheid
Rückgabe der einzelnen Tiere aus den Herden, die den Sommer auf der Alpe verbrachten, an ihre Besitzer. Findet auf dem so genannten Scheidplatz statt.

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