Hochgebirgsklima Oberstdorf. Therapeutisch geeignet sind vor allem die Höhenlagen zwischen 1000 und 2000m.
Die Luft ist trocken, kühl und der Luftdruck ist relativ niedrig. Ab 1500 m Höhe können Hausstaubmilben oder Schimmelpilze daher nicht überleben. Der Sauerstoffpartialdruck verringert sich um etwa 12 % pro 1000 Höhenmeter. In dem kalten und trockenen Klima haben pollenbildende Pflanzen wesentlich kürzere Pollenflugperioden, es entsteht eine deutlich verringerte Pollenbelastung der Luft als in anderen Klimabereichen.
Die Luft im Hochgebirge ist zudem schadstoffarm. Die Anzahl Sonnenstunden ist bis zu dreimal höher als in anderen Klimaregionen. Die natürliche Höheneinstrahlung durch die Hochgebirgssonne ist reich an UVB-Strahlung (280-315 nm, UVA: 315-400 nm), was sich z.B. auf eine Neurodermitis positiv auswirkt. Durch die hohe Lufttrockenheit wird die Sonneneinstrahlung und die damit verbundene Wärme nicht als schwül und drückend empfunden.
Auch die starken Winde der Hochlagen, die durch unmittelbar benachbarte Gipfel und Gebirgsketten deutlich abgebremst werden, mildern eine Temperaturbelastung durch die Sonneneinstrahlung spürbar ab. Hochgebirgsklima ist besonders für Allergiker geeignet. Der geringe Luftdruck führt dazu, dass die Atmung automatisch vertieft und die Durchblutung angeregt wird. Leichte Kältereize durch den Wind in Kombination mit der intensiven Sonneneinstrahlung helfen dem Körper, neue Abwehrkräfte aufzubauen. Der Körper passt sich dabei allmählich an das Höhenklima an. Hierbei gilt wie für andere Reizklimaregionen auch, dass diese Anpassung in möglichst kleinen Schritten erfolgen soll, um einen Kurerfolg zu erzielen. Dabei soll der Körper zunehmend und mit einer langsamen zeitlichen Steigerung den Klimabedingungen ausgesetzt werden. Übermäßige Veränderungen, z.B. ausdauernde mehrstündige Sonnenbäder gleich zu Beginn einer Kur schwächen den Organismus mehr als ihm zu nutzen.
Die 3 Wirkkomplexe
1. thermisch-hygrischer Komplex
Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windstärke und Sauerstoffpartialdruck stellen die Elemente dieses Wirkkomplexes dar. Sie haben je nach Ausprägung einen Einfluss auf die Atmungstiefe und den Blutdruck. Kühle Luft und Wind stellen therapeutisch nutzbare Kältereize dar, die die körpereigene Wärmeregulation anregen. Gemeinsam mit einem niedrigen Luftdruck und einem verringerten Sauerstoffpartialdruck wird eine Vertiefung der Atmung erzeugt. Dadurch steigt die Durchblutung an. Zudem werden Stoffwechselaktivitäten und das Immunsystem angeregt.
2. chemischer Wirkkomplex
Zum chemischen Wirkkomplex gehören das maritime, salzhaltige Aerosol der Seeluft, aber auch die Pollen- und Allergenfreiheit sowie schadstoffarme Luft, wie sie in den Hochgebirgen über 1500 m Höhe zu finden ist. Letzteres sorgt bei Allergikern zum Abklingen ihrer mit der Allergie verbundenen Symptome.
3. aktinischer Wirkkomplex
Ultraviolette Strahlung wird als aktinischer Wirkkomplex bezeichnet. Dazu gehören die Zahl der Sonnenstunden, die Intensität der Strahlungswirkung (diese ist in waldreichen Gebieten mit viel Schatten geringer als z.B. im Gebirge) sowie die damit verbundene Helligkeit und Wärmestrahlung. Die langsame Steigerung der täglichen UV-Strahlendosis wird therapeutisch bei verschiedenen Hautkrankheiten erfolgreich genutzt.
Diese drei Wirkkomplexe treten stets in Kombination auf, allerdings je nach Region in unterschiedlicher Ausprägung. Sie stellen den Kern der Klimatherapie dar.
Allgemeines
Unter der Klimatherapie versteht man allgemein die gezielte Behandlung von kranken oder gesunden Menschen durch den Aufenthalt in einem therapeutisch wirksamen Klima, einem sogenannten Heilklima.
Dabei nutzt man die verschiedenen klimatischen und witterungsbedingten Eigenschaften einer Region, um auf bestimmte Symptome oder Erkrankungen einen positiven Einfluss auszuüben.
Die Klimatherapie ist unter den therapeutischen Verfahren etabliert und anerkannt. Sie stellt eine Kombination aus der Anwendung natürlicher Heilmittel und der Überprüfung des Heilerfolges durch Methoden der modernen Medizin dar. Oft wird sie durch physikalische Übungen und Bewegungstherapien ergänzt.
Die Wirksamkeit der Klimatherapie beruht auf einer Steigerung der individuellen Anpassungsfähigkeit des Menschen an bestimmte Klimareize. Bei vielen Menschen ist diese angeborene Anpassung an äußere Witterungseinflüsse durch Krankheiten, aber auch durch ständigen Aufenthalt in gleichmäßig klimatisierten Innenräumen und Bewegungsarmut reduziert.
Eine Klimabehandlung sollte möglichst frühzeitig begonnen werden, sofern es der Gesundheitszustand erlaubt. Für alle Klimakuren gilt, dass die Gewöhnung an die veränderten klimatischen Umgebungsbedingungen langsam erfolgen sollte. Das bedeutet, dass zum Beispiel nicht gleich am ersten Tag der Kur mehrstündige Sonnenbäder erfolgen sollten. Nur wenn die täglichen Anwendungen langsam sich steigernd durchgeführt werden, kann die Kur einen langanhaltenden Trainingseffekt entwickeln.