Kühe, Käse

& Kulturlandschaft

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„Alpe“ ist die im Allgäuer Alpenraum gebräuchliche Bezeichnung für eine Alm. Bereits vor über 1000 Jahren begannen die Bauern zur Entlastung ihrer hofnahen Wiesen und Weiden im Tal oberhalb der schützenden Wälder neue Weideflächen zu erschließen.

Man nimmt an, dass schon um 1000 n.Chr. die „Alpe Schlappold“ und die „Bierenwang Alpe“ („Wang“ ist ein althochdeutsches Wort für Naturweide und lichte Wälder) am Fellhorn bestanden.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein lebte die Bevölkerung von Oberstdorf am Existenzminimum. Bis zu dieser Zeit finden sich auch Eintragungen im Oberstdorfer Sterbebuch, wo es heißt „verhungert“. Die Milch- und Ackerwirtschaft, ergänzt durch Flachsanbau und Leinenherstellung, erbrachte nur das Notwendigste zum Leben.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die aus der Schweiz stammende Emmentaler-Käserei im Allgäu eingeführt. Der Hartkäse eignete sich – anders als der Weichkäse früherer Zeiten – gut zum Handel. Dazu trugen auch die verbesserten Verkehrsbedingungen, die regelmäßig verkehrende Postkutsche und später, ab 1888, der Eisenbahnanschluß bei.

Als Folge wurde der Flachsanbau weitgehend eingestellt und aus „Galt-Alpen“ (Alpen mit Rindern, die noch keine Milch geben) wurden vermehrt „Senn-Alpen“ mit Kühen und der Herstellung von Milchprodukten. Aus dem „blauen Allgäu“ des Flachsanbaus wurde das „grüne Allgäu“ der Milch- wirtschaft. Auch die Schlappold-Alpe wurde 1868 von der Galt-Alpe zur Senn-Alpe.

Die ganzjährige Verfügbarkeit von Milch, höhere Erträge durch Düngung und Züchtung, aber auch der hohe Personalaufwand in der Sennerei führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder zu einem Rückgang der Senn-Alpen und vielerorts sogar zu einem „Almensterben“.

Erst durch die Prämienzahlung konnte diese Entwicklung aufgehalten werden. Man erkannte, dass eine gleichmäßige, schonende Beweidung der Bergwiesen dazu beitragen kann, die Bildung von Lawinen, Schneerutschungen und Erosionen zu vermeiden. Bleibt die Alpe ungenutzt, dann können die langhalmigen Gräser zu einer idealen Gleitbahn für Schneebewegungen werden.

Jedes Jahr werden rund 100 Kühe auf die Schlappold-Alpe aufgetrieben – und ca. 200 Stück Jungvieh (Galtvieh) auf die Alpe Bierenwang. Die Weidedauer umfasst etwa 100 Tage von Anfang Juni bis zum feierlichen Viehscheid – dem Allgäuer Almabtrieb. Für das Jungvieh ist der Alpsommer am 13. September zu Ende. Die Milchkühe folgen einige Tage später am „Matthästag“, dem 21. September (falls diese Tage auf einen Sonntag fallen, so finden diese Veranstaltungen einen Tag vorher statt).

Beide Tage haben große Tradition als festliche Anlässe der Land- und Alpwirtschaft. So ist die Alpwirtschaft nicht nur eine besondere Attraktion für die Besucher des Fellhorns, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft. Wenn jedoch zuviel Vieh aufgetrieben wird oder nicht genügend Hirten eingesetzt werden, kann dies zu Bodenwunden und Erosionen führen.

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